Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 270 Stundenkilometern hat Hurrikan Maria seinen Weg durch die Karibik fortgesetzt. Nach dem kleinen Inselstaat Dominica und der französischen Nachbarinsel Guadeloupe erreichten erste Ausläufer inzwischen auch die Amerikanischen Jungferninseln. Demnächst dürfte der Wirbelsturm der Kategorie vier im Süden von Puerto Rico an Land treffen.

"Die Stürme gehen gerade erst los, und doch fühlt sich das schon ganz schön brutal an", berichtete die 31-jährige Coral Megahy der Nachrichtenagentur AFP. Ihre Heimat Saint Croix gehört zu den größten und bevölkerungsreichsten Inseln der Amerikanischen Jungferninseln. Während sich Megahy zu Hause verschanzt hielt, berichtetet sie über herumfliegende Trümmer, die gegen die Aluminiumläden ihrer Fenster schlugen. Einwohner im benachbarten Saint John berichteten, wie der Sturm ausgewachsene Bäume durch die Luft wirbelte. 

Das US-Hurrikanzentrum warnte vor "katastrophalen Auswirkungen" und mahnte alle Inseln auf Marias Pfad, ihre Vorbereitungen gegen Sturm, Springfluten und Überschwemmungen so schnell es geht abzuschließen. Zuvor hatte der Hurrikan in Guadeloupe und Dominica schwere Zerstörungen angerichtet. Die Behörden in Guadeloupe meldeten zwei Tote und zwei Vermisste. 

Besondere Sorgen bereitete den Behörden in der Region, dass der neue Hurrikan die Trümmer seines Vorgängers Irma aufwirbeln und in tödliche Geschosse verwandeln könnte. "Unsere Inseln sind derzeit extrem verletzbar", sagte der Premierminister der Britischen Jungferninseln, Orlando Smith. Er rief eine Ausgangssperre aus.

In Puerto Rico versorgten sich die 3,5 Millionen Einwohner vor dem erwarteten Eintreffen des Sturms mit dem Nötigsten. Erneut sicherten sie ihre Häuser vor Sturm und Überschwemmungen. Die Regierung richtete rund 500 Notunterkünfte für 67.000 Menschen ein. Gouverneur Ricardo Rosselló warnte, Maria könnte zum Jahrhundertsturm für seine Insel werden. Auch das Katastrophenschutzzentrum der Dominikanischen Republik ergriff weitreichende Maßnahmen und ordnete Evakuierungen an. Betroffen waren vor allem Gebiete im Norden des Urlaubslandes.

Vor zwei Wochen hatte der Hurrikan Irma in der Karibik schwere Zerstörungen angerichtet. Mindestens 40 Menschen wurden getötet. Das US-Außengebiet hat sich seitdem nicht erholt, noch immer sind 50.000 Haushalte ohne Strom. Irma war dann weiter Richtung Florida gezogen und hatte auch in dem US-Bundesstaat schwere Schäden verursacht. Viele Wissenschaftler vermuten, dass Wirbelstürme der höheren Kategorie wie eben Maria, Irma und davor Harvey aufgrund des Klimawandels an Intensität noch zunehmen werden.

Der französische Präsident Emmanuel Macron griff dieses Thema in seiner Rede vor den Vereinten Nationen am Dienstag in New York auf. Die Serie schwerer Hurrikane in der Karibik sei "eine der direkten Folgen der Erderwärmung", sagte er. Haitis Präsident Jovenel Moïse machte ebenfalls den Klimawandel für die Hurrikane verantwortlich. "Wir, die Staaten der Karibik, stoßen nicht viele Treibhausgase aus, dennoch müssen wir heute für den Schaden aufkommen", klagte er während der Vollversammlung.