Während Hurrikan Irma noch immer über Florida zieht, werden in der Karibik die Schäden deutlicher: Auf Kuba kamen offiziellen Angaben zufolge mindestens zehn Menschen ums Leben. Sieben davon seien in der Hauptstadt Havanna gestorben, wo einige dicht bewohnte Stadtteile überflutet wurden und mehrere Gebäude teilweise zusammenstürzten, berichteten die Staatsmedien. Drei weitere Menschen kamen demnach in Matanzas, Ciego de Ávila und Camagüey ums Leben. Weiter hieß es von offizieller Seite, dass etwa 1,5 Millionen Menschen aus ihren Häusern geflüchtet seien und Unterschlupf bei Freunden und Verwandten gesucht hätten. Zudem seien 5.000 Touristen von der Insel gebracht worden.

Der Touristikkonzern TUI sagte Reisen nach Varadero auf Kuba bis einschließlich Montag kommender Woche ab. Außerdem würden die etwa 600 Urlauber in der Region "so schnell wie möglich nach Hause gebracht", teilte das Unternehmen mit. Durch die Schäden, die der Hurrikan verursacht habe, könne das gebuchte Angebot nicht erbracht werden, hieß es zur Begründung. Auch der Reisekonzern DER Touristik will bis Montag kommender Woche keine Urlauber nach Florida und Kuba bringen. 

Neben der für Kuba zunehmend wichtigen Touristikbranche ist die Zuckerindustrie ein bedeutender Wirtschaftszweig. Auch dort hat Irma schwere Schäden angerichtet: 40 Prozent der Zuckermühlen seien beschädigt, genauso wie Lagerhäuser und andere Teile der Infrastruktur, sagte ein Sprecher des staatlichen Monopolkonzerns Azcuba. Ersten vorläufigen Berichten zufolge sei der Zuckerrohranbau auf etwa 300.000 Hektar mehr oder minder betroffen. Die Ernte sollte ursprünglich im November beginnen. 

Hunderte Jachten hat Hurrikan Irma auf den Britischen Jungferninseln in die Paraquita Bay gedrückt, wie diese Luftaufnahmen von GoogleEarth zeigen. Vor dem Sturm lagen sie aufgereiht und vertäut in der Bucht.

Irma hatte in den vergangenen Tagen in der Karibik schwere Verwüstungen angerichtet, darunter auf den Inselstaaten Antigua und Barbuda, auf den Jungferninseln und Saint-Barthélemy. Insgesamt starben mindestens 40 Menschen.

Plünderungen in Florida

Derzeit zieht Irma über den US-Bundesstaat Florida. Dort hat sich der Hurrikan abgeschwächt, bleibt aber gefährlich. Der Sturm riss Dächer von Häusern, überflutete Straßen und kappte Stromleitungen. Mindestens vier Menschen in dem US-Bundesstaat starben. Auch gab es Berichte über Plünderungen und Einbrüche. 5,7 Millionen Haushalte in Florida waren von der Stromversorgung abgeschnitten. Damit sind mehr als die Hälfte aller Haushalte ohne Elektrizität, wie der Katastrophenschutz in Tallahassee mitteilte. 

Nach Schätzungen des Risikospezialisten von AIR Worldwide werden sich die versicherten Schäden in den USA auf 20 bis 40 Milliarden US-Dollar (17 bis 33 Milliarden Euro) belaufen. Hinzu kämen fünf bis 15 Milliarden auf mehreren karibischen Inseln. 

Noch zu Beginn vergangener Woche war Irma mit Windgeschwindigkeiten von 297 Kilometern pro Stunde der stärkste je gemessene Hurrikan im offenen Atlantik. Dann wurde er vor allem an der nördlichen Küste Kubas ausgebremst. Als Irma die Küsten Floridas erreichte, wurden noch Windgeschwindigkeiten von 185 Kilometern pro Stunde gemessen – das entspricht Kategorie vier. Mittlerweile hat das US-Hurrikanzentrum einen Teil der Einstufungen von Hurrikan- in Tropensturmwarnungen geändert. Es wird erwartet, dass Irma bis Dienstag mit 30 Stundenkilometern Richtung Georgia und Alabama ziehen wird.

Im Süden der USA haben Autohersteller reagiert. Die beiden südkoreanischen Hersteller Kia und Hyundai schlossen ihre Werke in der Region vorübergehend. In den Fabriken der deutschen Hersteller läuft die Produktion überwiegend weiter.

Macron fliegt in die Karibik

Wirbelsturm Irma

Die graue Linie ist die wahrschein­lichste Route. Die Fläche zeigt, wo Irma von dieser abweichen könnte, nicht die Größe des Sturms.

US-Präsident Donald Trump kündigte an, möglichst bald nach Florida reisen zu wollen, um sich ein Bild von den Schäden zu machen. Bereits bevor Irma aufs Festland getroffen war, hatte Trump eine Notfalldeklaration erlassen, welche Florida finanzielle Hilfen auf Bundesebene ermöglicht.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will die ebenfalls schwer betroffene Insel Saint-Martin am Dienstag besuchen. Am Sonntag hatte der niederländische König Willem-Alexander auf der Insel Curaçao mit Opfern gesprochen.

Auf den Britischen Jungferninseln wurden Hunderte Jachten durch Hurrikan Irma in die Bucht gedrückt. Vorher lagen sie aufgereiht und vertäut in der Paraquita Bay.