Das Landgericht Neubrandenburg hat das Verfahren gegen den ehemaligen SS-Sanitäter Hubert Z. endgültig eingestellt. Der 96-jährige Angeklagte sei wegen seiner Demenz nicht mehr in der Lage, einem Prozess zu folgen, teilte das Gericht mit. Dies hätten zwei psychiatrische Gutachten ergeben. Staatsanwaltschaft, Nebenkläger und Verteidiger hätten der Einstellung zugestimmt.

Der Rentner war wegen Beihilfe zum Mord durch grausame und heimtückische Tötung in 3.681 Fällen angeklagt. Laut Staatsanwaltschaft hatte sich Z. als Angehöriger der SS-Sanitätsstaffel im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau in den Betrieb des Lagers "unterstützend eingefügt" und am "einheitlichen Vernichtungsgeschehen mitgewirkt und dies befördert".

Der Prozess gegen Z. war nach einem ersten Hauptverhandlungstermin Ende Februar 2016 nie über die Verlesung der Anklageschrift hinausgekommen. Schon zu Prozessbeginn war eine Demenz bei dem Angeklagten festgestellt worden, jedoch galt er noch als eingeschränkt verhandlungsfähig. Auch aufgrund der Anträge, die Verhandlungsfähigkeit des Angeklagten zu überprüfen, wurde das Verfahren mehrmals ausgesetzt. Außerdem wurden mehrere Richter wegen Befangenheit abgelehnt.

Konkret warf die Anklage dem damaligen SS-Unterscharführer seine Arbeit im August und September 1944 vor. In dieser Zeit seien mindestens 14 Züge mit 3.681 Deportierten in Auschwitz-Birkenau angekommen. In einem von ihnen befand sich auch Anne Frank, deren Tagebuch später weltberühmt wurde.

Der Angeklagte übte in dieser Zeit die für SS-Sanitätsdienstgrade üblichen Tätigkeiten unter anderem im SS-Lazarett aus. Ihm wurde nicht vorgeworfen, selbst jemanden getötet oder für die Tötung ausgesucht zu haben.

Z. wurde bereits 1948 von einem polnischen Gericht wegen seiner Tätigkeit in Auschwitz und wegen seiner Zugehörigkeit zur Waffen-SS zu knapp vier Jahren Haft verurteilt. Diese Strafe verbüßte er.

Ähnliche Verfahren gegen ehemalige SS-Angehörige liefen bundesweit an verschiedenen Gerichten. Das Landgericht Lüneburg hatte 2015 den ehemaligen SS-Buchhalter Oskar Gröning zu vier Jahren Haft verurteilt. Der frühere SS-Wachmann Reinhold Hanning wurde 2016 vom Landgericht Detmold zu fünf Jahren Haft verurteilt.