Mexiko - Viele Tote bei Erdbeben Ein Beben der Stärke 7,1 hat in Mexiko zahlreiche Gebäude zum Einsturz gebracht. Millionen Haushalte waren ohne Strom. © Foto: Ronaldo Schemidt/AFP/Getty Images

Sirenen heulen, Menschen schreien, Autos hupen, dann recken die Menschen die Hände in die Luft, es wird totenstill. Denn nur so können die Helfer Lebende finden. Unter den Trümmern eingestürzter Häuser in Mexikos Hauptstadt sind womöglich noch viele Verletzte gefangen. Freiwillige arbeiten sich teils mit bloßen Händen durch Schutt und Geröll und versuchen, Lebenszeichen zu vernehmen. Wenn es auf der Straße zu laut wird, heben sie einen Arm, andere tun es ihnen gleich, bis alle Umstehenden mitbekommen haben, dass es ruhiger werden muss.

Ein Erdbeben der Stärke 7,1 auf der Richterskala hat am Dienstag die mexikanische Hauptstadtregion erschüttert. Zur Mittagszeit wankten Hochhäuser, Risse taten sich in den Wänden auf, Fassaden bröckelten und Fenster barsten. Viele Gebäude hielten nicht Stand und fielen in sich zusammen. Die Menschen rannten auf die Straße, Rauch und Qualm stieg auf. An einigen Stellen trat Gas aus, Millionen Menschen waren zeitweise ohne Strom.

Mehr als 20 Millionen Einwohner zählt der Ballungsraum der Hauptstadt, fast jeder Mexikaner hat Verwandte und Bekannte dort. Genau 32 Jahre vor der Katastrophe hatte hier zuletzt verheerend die Erde gebebt, 10.000 Menschen waren dabei ums Leben gekommen. Vor zwei Wochen starben bei einem Erdbeben im Süden des Landes 98 Menschen. Mexiko liegt in einer der seismisch aktivsten Zonen der Welt.

Gerade als eine Evakuierungsübung zu Ende gegangen war, bebte am Dienstag erneut die Erde. Viele Mexikaner wissen, wie sie sich im Notfall zu verhalten haben. "Trotzdem, ein Beben erschüttert dich", sagt Ángel Morales, der in dem kleinen Ort Valle de Bravo vor Mexiko-Stadt lebt. "Wenn der Boden wankt, wird dir klar vor Augen geführt, dass nichts, absolut nichts, sicher ist." Das könne nicht zur Routine werden, "du kannst nicht einfach ignorieren, dass dein Haus schwankt."

Auf der Suche nach Freunden und Verwandten

Freunde und Verwandte meldeten sich unmittelbar nach der Katastrophe bei Ángel. Niemandem in seinem Bekanntenkreis sei etwas zugestoßen. Anschließend machte er sich mit zwei Flaschen Wasser in der Hand wie viele andere auf die Suche nach Verletzten. Ausgerüstet mit Schaufeln und Spitzhacken hätten sie die ganze Nacht gesucht und "zum Glück" niemanden gefunden.

Plötzlich seien in ihrer Wohnung in der Innenstadt Bilder von der Wand gefallen, erzählt Helena Gartes. Erst habe sie an einen Schwindelanfall gedacht. Dann hörte sie die Nachbarn schreien und rannte. Vier Stockwerke waren es, bis sie auf der Straße ankam und in Sicherheit war.

Epizentren der Erdbeben

Wie Zehntausende andere saß sie nach dem Beben in der Stadt fest. Der Nahverkehr und das Telefonnetz waren zusammengebrochen. Helena wollte wissen, wie es ihrer Familie geht. Als sie niemanden erreichen konnte, lief sie einfach los. Als sie merkte, dass kein Durchkommen war, drehte sie um. Später erfuhr sie, dass es allen gut geht.

Auf den Straßen versorgten Helfer Verwundete, weil Krankenhäuser und Ambulanzen ohne Strom oder einsturzgefährdet waren. Es bildeten sich lange Schlangen von Freiwilligen, die Trümmer beiseiteschafften. Das Rote Kreuz rief dazu auf, die Straßen freizuhalten und richtete einen Suchdienst ein.

Insgesamt 40 Gebäude sind laut Bürgermeister Miguel Ángel Mancera in Mexiko-Stadt eingestürzt, 500 weitere seien teils schwer beschädigt worden. Es könne Wochen und Monate dauern, bis sie wieder bewohnbar werden. Im Moment werden alle Kräfte eingesetzt, mögliche Überlebende zu finden. Er bittet die Bevölkerung, Ruhe zu bewahren.