In den Trümmerbergen einer in Mexiko-Stadt eingestürzten Schule suchen die Helfer nach zahlreichen verschütteten Kindern und einigen Lehrern. "Wir schätzen, dass noch zwischen 30 und 40 Menschen in den Trümmern gefangen sind. Wir hören aber Stimmen, einige sind noch am Leben", sagte Marinesprecher José Luis Vergara dem Fernsehsender Televisa. Nach Informationen des Senders starben bei dem Einsturz der Schule Enrique Rebsamen mindestens 32 Kinder und fünf Erwachsene. Elf Kinder seien demnach lebend gerettet worden.

An den Rettungsarbeiten nehmen neben Angehörigen der Feuerwehr, des Zivilschutzes, des Heeres und der Marine auch viele freiwillige Helfer teil. Mit Schaufeln, oft aber auch nur mit den Händen, räumen die Rettungskräfte den Schutt weg, um nach Überlebenden zu suchen. Televisa berichtet, dass die Rettungskräfte mit einer Lehrerin in Kontakt stehen, die ein kleines Mädchen bei sich habe. Ein weiterer Junge werde mit einem Schlauch mit Sauerstoff versorgt.   

Epizentren der Erdbeben

Das dreistöckige Gebäude im Süden von Mexiko-Stadt beherbergte Kindergarten, Grundschule und Gymnasium. 

Das Erdbeben der Stärke 7,1 war das zweite in diesem Monat. Anfang September waren durch einen Erdstoß der Stärke 8,1 im Süden des Landes mehr als 90 Menschen gestorben. Das Epizentrum des jüngsten Bebens lag zwischen den Bundesstaaten Puebla und Morelos nahe der Hauptstadt Mexiko-Stadt.

Nach Angaben des Leiters des mexikanischen Zivilschutzes, Luis Felipe Puente, zählen die Behörden bislang 225 Menschen. Sie rechnen damit, dass die Zahl noch weiter steigen werde. Puente sagte, allein 94 Tote habe es in Mexiko-Stadt gegeben, 71 im Bundesstaat Morelos, 43 in Puebla, zwölf im Bundesstaat México, vier in Guerrero und einen in Oaxaca. Einen Grund dafür, warum seine Behörde zuvor eine höhere Opferzahl von 248 angegeben hatte, nannte er nicht.

"Dies ist keine Übung"

Am Dienstag hatten sich zahlreiche Menschen an den jährlichen Erdbebenübungen beteiligt, bevor wenige Stunden später die Erde bebte. "Dies ist keine Übung", waren die letzten Worte eines Nachrichtensprechers, bevor er sich während einer Live-Sendung aus dem einstürzenden Studio retten konnte. Tausende Menschen flüchteten sich aus Gebäuden im Zentrum, bevor auch diese einstürzten.

Millionen Haushalte sind ohne Strom, Brände brachen aus, die Behörden warnten vor Gaslecks. Der Flughafen stellte seinen Betrieb ein, die Börse setzte den Handel aus. Auch die deutschen Autobauer Audi und Volkswagen unterbrachen ihre Produktion in ihren Werken im Bundesstaat Puebla.

Nach derzeitigem Kenntnisstand stürzten in Mexiko-Stadt 40 Gebäude ein, mindestens 500 weitere wurden zum Teil schwer beschädigt. Wie Bürgermeister Miguel Ángel Mancera mitteilte, müssten diese erst eingehend untersucht und repariert werden, bevor Bewohner zurückkehren können. Viele könnten unbewohnbar geworden sein, sagte er dem Sender Televisa.

Ein Riss geht durch die Tribüne des Aztekenstadions

Zeitgleich mit dem Beben gab es am Vulkan Popocatépetl unweit von Mexiko-Stadt einen kleinen Ausbruch. Am Hang des Vulkans stürzte nach Angaben des Gouverneurs von Puebla, José Antonio Gali, eine Kirche ein, als dort eine Messe gelesen wurde. 15 Menschen seien dabei ums Leben gekommen.

Durch das Erdbeben wurde auch das weltbekannte Aztekenstadion beschädigt. In lokalen Medien verbreitete Fotos zeigten einen breiten Riss durch eine Tribüne. Durch das Beben hätten sich zwei Tribünenteile auseinanderbewegt. Das in dem Stadion für Dienstag geplante Achtelfinalspiel der Copa México zwischen América und Cruz Azul wurde abgesagt, wie der Stadionbetreiber mitteilte.

Mexiko - Hunderte Tote bei Erdbeben Rettungskräfte suchen nach Verschütteten, unter anderem in den Ruinen einer Grundschule in Mexiko-Stadt. Mindestens 200 Menschen starben bei dem schweren Erdbeben in Mexiko. © Foto: Carlos Jasso, Reuters