Auf dem Weg über das Mittelmeer werden mehr als drei Viertel aller jugendlichen Flüchtlinge Opfer von Misshandlung, Ausbeutung oder Menschenhandel. Das geht aus einem Bericht des Kinderhilfswerks Unicef und der Internationalen Organisation für Migration (IOM) hervor.

Der Bericht stützt sich auf eine Befragung von 22.000 Migranten, darunter 11.000 Personen im Alter zwischen 14 und 24 Jahren. Demnach gaben 77 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen an, "direkte Erfahrungen von Misshandlungen, Ausbeutung und Praktiken, die Menschenhandel gleichkommen" gemacht zu haben.

Die europäische Regionaldirektorin von Unicef, Afshan Khan, sagte, mittlerweile sei es "die erschütternde Realität, (…) dass Kinder auf der Mittelmeerroute Missbrauch, Menschenhandel, Gewalt und Diskriminierung ausgesetzt sind". Vor allem junge Flüchtlinge aus Ländern südlich der Sahara seien gefährdet. Die Autoren des Berichts sehen hier Rassismus als Hauptproblem. Besonders gefährlich sei die Überfahrt von Libyen aus. Dort herrschen Milizen und kriminelle Banden.

In der vergangenen Woche hatten sich die UN an die Europäische Union gewandt und gefordert, die Augen nicht vor der brutalen Realität in den libyschen Flüchtlingslagern zu verschließen. Der IOM-Europadirektor Eugenio Ambrosi forderte Maßnahmen zum Schutz der Schwächsten unter den Migranten, unabhängig von ihrem Flüchtlingsstatus.