Mehr als ein Drittel aller Hochschulabsolventen in Deutschland kommt aus den Studienfächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Der Anteil dieser sogenannten Mint-Fächer ist damit in Deutschland so groß wie in keinem anderen OECD-Land. Das geht aus dem neuesten Bildungsbericht der OECD hervor, also der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. In ihrer jährlichen Studie Bildung auf einen Blick 2017vergleicht die Organisation die Bildungspolitik der 35 Mitgliedsstaaten und einiger Partnerländer.

Allerdings sind Frauen laut der Untersuchung in den meisten Mint-Fächern unterrepräsentiert. Sie stellen demnach in diesem Bereich nur 28 Prozent der Studienanfänger dar. Der OECD-Durchschnitt liegt mit 30 Prozent etwas höher. Gleichzeitig gibt es in anderen Fächern deutlich mehr weibliche als männliche Studienanfänger. Im Fach Pädagogik zum Beispiel sind 80 Prozent der Studienanfänger in Deutschland Frauen.

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) zeigte sich erfreut über den hohen Anteil an Studierenden der technischen und naturwissenschaftlichen Fächer. "Zur Sicherung seiner Innovationsstärke braucht Deutschland eine ausgeprägte Mint-Kompetenz", teilte Wanka mit. Dies gelte gerade auch mit Blick auf den digitalen Wandel. Frauen müssten aber in diesem Bereich besonders gefördert werden. "Auf ihr Potenzial können und dürfen wir nicht verzichten", sagte Wanka.

Gute Chancen nach Berufsausbildung

Die Untersuchung betont auch die Bedeutung der Berufsausbildung für das deutsche Bildungssystem. Rund die Hälfte aller 24- bis 39-Jährigen habe als höchsten Abschluss eine Ausbildung absolviert, so die Studie. Für die Chancen auf dem Arbeitsmarkt ist es dabei laut OECD in Deutschland nicht entscheidend, ob junge Menschen studieren oder eine Ausbildung beginnen: Die Beschäftigungsquote liege in beiden Bereichen mit knapp 90 Prozent fast gleichauf.

Die amtierende Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU), forderte vor diesem Hintergrund, wieder ein "gesellschaftliches und individuelles Bewusstsein" dafür zu verankern, dass die berufliche Bildung eine "absolut gleichwertige Alternative" zu einem Studium darstelle.

Trend zum Hochschulstudium

Gleichzeitig stellt die OECD-Studie einen Trend hin zum Hochschulstudium fest: Immer mehr junge Menschen bildeten sich nach einer abgeschlossenen Ausbildung weiter; sechs von zehn jungen Menschen würden daher im Laufe ihre Lebens ein Studium aufnehmen, schreiben die Autoren. Zwischen 2005 und 2015 habe sich die Zahl der Studienanfänger zudem um rund die Hälfte auf 63 Prozent erhöht – der größte Anstieg in allen OECD-Ländern. Gleichzeitig brechen in Deutschland relativ viele Studenten ihr Studium ab: Die Abschlussquoten sind im internationalen Vergleich nur unterdurchschnittlich.

Nachholbedarf attestieren die Autoren Deutschland weiterhin bei der Bildungsdurchlässigkeit nach sozialen Schichten: Nur 14 Prozent der 30- bis 44-Jährigen aus Nichtakademikerfamilien haben selbst ein Hochschulstudium abgeschlossen. Damit hat sich dieser Wert im Generationenvergleich kaum verbessert.

Fast jedes Kind geht in die Kita

Die OECD bewertet es in der Studie darüber hinaus positiv, dass in Deutschland fast alle Drei- bis Fünfjährigen eine Kita besuchen. Im Jahr 2015 nahmen laut der Studie 93 Prozent der Dreijährigen, 97 Prozent der Vierjährigen und 98 Prozent der Fünfjährigen an Vorschulbildung teil. Die Anteile lagen damit höher als im OECD-Durchschnitt.

"Die Teilnahme an qualitativ hochwertiger frühkindlicher Bildung und Erziehung ist für die späteren Bildungsergebnisse besonders wichtig", teilte die OECD mit. Spätere Maßnahmen seien "weniger effizient", weil sich dann ein "Entwicklungsfenster" der Kinder bereits geschlossen habe.