Sprengsatz in London - »Wir untersuchen einen sehr ernsten Zwischenfall« Die Londoner Polizei hat die kleine Explosion in einer U-Bahn als terroristisch eingestuft. Einem Medienbericht zufolge wurde der Sprengsatz nicht vollständig gezündet. © Foto: Daniel Leal-Olivas/AFP

Im Londoner U-Bahnhof Parsons Green ist es mitten im morgendlichen Berufsverkehr zu einer Explosion gekommen, die von der britischen Polizei inzwischen als "terroristisch" eingestuft wird. "Wir gehen davon aus, dass die Detonation durch einen improvisierten Sprengsatz ausgelöst wurde", sagte der Chef der Antiterroreinheit, Mark Rowley. Wie der Fernsehsender Sky unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtet, ist die selbst gebaute Bombe nicht vollständig explodiert. Premierministerin Theresa May berief den Nationalen Sicherheitsrat ein. Nach dem Treffen sagte sie, die Terrorwarnstufe werde vorerst nicht erhöht. Darüber war spekuliert worden, weil noch nichts über den Täter bekannt ist.

Nach Angaben der Behörden ereignete sich der Vorfall im Südwesten der britischen Hauptstadt gegen 8.20 Uhr Ortszeit. Augenzeugen berichteten von einer Explosion und Flammen im hinteren Teil des Zugs. Nach Angaben der BBC brach Panik unter den Passagieren aus, nachdem sich die Berichte darüber verbreiteten. Viele Menschen erlitten Kratz- und Schürfwunden, als sie versuchten, die U-Bahn und den Bahnhof zu verlassen.

Anschlag in London

Nach Angaben von Scotland Yard und dem Londoner Rettungsdienst wurden 22 Menschen in Krankenhäuser gebracht. Keiner von ihnen ist demnach in einer ernsten oder lebensgefährlichen Lage. Die Zeitung Metro hatte zuvor berichtet, einige Passagiere hätten Verbrennungen im Gesicht erlitten. Auch die BBC sprach unter Berufung auf Augenzeugen von mindestens einem Verletzten mit Verletzungen im Gesicht sowie von einer Frau, die mit Verbrennungen an Gesicht und Beinen behandelt wurde.

In sozialen Medien kursieren Bilder von einem kleineren weißen Plastikeimer, der die Explosion ausgelöst haben soll. Der Eimer steht in einer Supermarkttüte, aus seinem Inneren lodern kleinere Flammen. Aus dem Eimer hängen Drähte. Größere Schäden des U-Bahn-Waggons sind auf den Bildern nicht zu erkennen. Die Polizei bestätigte die Echtheit der Bilder nicht. Scotland Yard teilte mit, es handele sich um ein "selbstgebautes explosives Objekt". Nach BBC-Informationen wurde der Sprengsatz per Zeitschaltuhr gezündet. 

Auch Stunden nach dem Einsatz waren in der U-Bahn und um die Station herum bewaffnete Polizisten mit Spürhunden im Einsatz. Der Polizei zufolge sind Hunderte Kriminalbeamte mit den Ermittlungen beschäftigt, man werde vom Inlandsgeheimdienst MI5 unterstützt. Der Bereich um den Bahnhof wurde gesperrt. Die Polizei forderte die Menschen auf, der Gegend fernzubleiben. Der Verkehr der betroffenen Linie District Line zwischen den U-Bahn-Stationen Earls Court und Wimbledon wurde eingestellt.

In Großbritannien gilt derzeit die zweithöchste Terrorwarnstufe. Bei vier Anschlägen in diesem Jahr wurden bereits 36 Menschen getötet. 2005 kamen 52 Menschen ums Leben, als britische Islamisten Selbstmordanschläge auf drei Londoner U-Bahnen und einen Bus verübten. "Unsere Stadt verurteilt die widerwärtigen Individuen, die mit Terror versuchen, uns zu schaden und unsere Lebensweise zu zerstören", teilte Bürgermeister Sadiq Khan nach den Ereignissen in Parsons Green mit.

London - Polizei stuft Vorfall in U-Bahn als terroristischen Akt ein Es habe mehrere Verletzte gegeben, teilte die Londoner Polizei mit. Der Verkehr auf der Linie District Line wurde zwischen Earls Court und Wimbledon eingestellt. © Foto: Kirsty Wigglesworth/dpa