Der türkische Fotograf Çağdaş Erdoğan ist nach Angaben seiner Agentur 140journos in Istanbul festgenommen worden. Demnach wurde er am 2. September im Stadtteil Kadıköy beim Fotografieren in Gewahrsam genommen. Ihm wird laut der Agentur die Unterstützung einer Terrororganisation vorgeworfen. Nach vereinzelten Medienberichten soll er unter anderem ein Gebäude fotografiert haben, das dem türkischen Geheimdienst (MİT) gehört. Ein Gericht habe für ihn dann am 13. September Untersuchungshaft angeordnet.

Das British Journal of Photography hatte Erdoğans Arbeiten in ihre Ones-to-Watch-Liste aufgenommen. Internationale Nachrichtenagenturen und Zeitungen nutzten seine Fotos, um zum Beispiel über den Konflikt zwischen dem türkischen Militär und Kurden im Osten der Türkei zu berichten.

Hungerstreikende Akademiker vor Gericht

In Ankara begann unterdessen der Prozess gegen zwei Akademiker, die aus Protest gegen ihre Entlassung seit sechs Monaten im Hungerstreik sind. Der Lehrer Semih Özakça und die Literaturdozentin Nuriye Gülmen müssen sich wegen Mitgliedschaft in der verbotenen linksextremen Gruppe DHKP-C verantworten. In der Türkei sind sie zum Symbol für die Massenentlassungen nach dem Putschversuch vom Juli 2016 geworden.

Gülmen und Özakça nahmen selbst nicht an der Anhörung teil. Laut der Verteidigung nannten die Justizbehörden Sicherheits- und Gesundheitsgründe für die Abwesenheit der Angeklagten. Vor dem Gericht gab es tumultartige Szenen, da Anwälte, Angehörige und Unterstützer in den Gerichtssaal zu gelangen versuchten.

Die beiden Akademiker gehören zu den mehr als 140.000 Staatsangestellten, die seit dem gescheiterten Militärputsch entlassen oder suspendiert wurden. Wie die meisten Betroffenen wurden sie per Notstandsdekret ohne Angabe genauer Gründe ihrer Posten enthoben. Aus Protest demonstrierten sie über Monate auf einem kleinen Platz in Ankara, bevor sie am 9. März einen Hungerstreik begannen.

Gülmen und Özakça wurden Dutzende Male von der Polizei in Gewahrsam genommen, bevor sie am 22. Mai ins Gefängnis gesteckt wurden. Die Justiz wirft ihnen Mitgliedschaft in der DHKP-C vor, einer radikalen antiwestlichen Gruppierung, die gelegentlich Anschläge verübt. Sie weisen die Vorwürfe zurück und werfen der Justiz vor, sie auf diese Weise zum Schweigen bringen zu wollen.  

Beide nehmen seit ihrem Streik nur gesalzenes und gezuckertes Wasser, Kräutertee und Vitamin B1 zu sich. Nach Angaben ihrer Angehörigen sind beide stark geschwächt und leiden unter einer Reihe ernster Gesundheitsprobleme.