Bei zwei Anschlägen auf Moscheen in Afghanistan sind mindestens 72 Menschen getötet worden. Ein Attentat in der Hauptstadt Kabul richtete sich gegen eine schiitische Moschee im Stadtviertel Dascht-e Bartschi. Dort leben mehrheitlich schiitische Hasaras. Die persischsprachige Minderheit war in Vergangenheit wiederholt Opfer von Anschlägen. Nach Regierungsangaben wurden mindestens 39 Menschen getötet und weitere 45 verletzt. Laut Augenzeugen soll der Angreifer erst auf die Betenden geschossen haben, bevor er sich selbst in die Luft sprengte. Unter den Opfern seien auch Frauen und Kinder, sagte ein Regierungssprecher.

Der zweite Anschlag galt einer Moschee in der zentralafghanischen Provinz Ghor im Bezirk Dolaina. Auch hier sprengte sich ein Selbstmordattentäter in die Luft. Dort seien 20 Menschen getötet und zehn verletzt worden, sagte ein Sprecher der Provinzregierung. 

Ein Mitglied des Provinzrats, Muwen Ahmed, sagte, die ganze Decke sei heruntergekommen. Seiner Ansicht nach war das Ziel des Anschlags der bekannte Milizenkommandeur und erbitterter Gegner der radikalislamischen Taliban, Fasl Ahad, der zum Abendgebet gekommen war.

Der Drahtzieher blieb zunächst unklar. Anders als in vielen muslimischen Ländern gibt es in Afghanistan keine Geschichte blutiger Fehden zwischen Sunniten und Schiiten. Seit dem Aufkommen der Terrormiliz "Islamischer Staat" 2015 sind Schiiten jedoch zunehmend Ziel brutaler Angriffe. Die Schiiten sind in Afghanistan in der Minderheit, etwa 80 Prozent der Menschen bekennen sich zur sunnitischen Glaubensrichtung des Islam.

Nach einem vergangene Woche veröffentlichten UN-Bericht wurden bei Angriffen auf schiitische Moscheen und religiöse Zeremonien in diesem Jahr bislang mehr als 80 Menschen getötet und fast 200 verletzt.