Aus Deutschland reisen mehr abgelehnte Asylbewerber freiwillig aus als bislang bekannt. In den ersten neun Monaten des Jahres wurden neben fast 25.000 finanziell geförderten Ausreisen mindestens 10.000 weitere freiwillige Ausreisen ohne staatliche Unterstützung erfasst. Das geht aus der Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Frage der Linken-Abgeordneten Ulla Jelpke hervor. Die bisher gemeldeten 24.569 Ausreisen umfassten demnach nur die Asylbewerber, die für den Rückflug finanzielle Hilfe von Deutschland in Anspruch genommen hatten. Zusätzlich seien aber mindestens 10.000 weitere Asylbewerber auf eigene Faust ausgereist.

Die Zahl derer, die staatliche Unterstützung in Anspruch nehmen, wird dokumentiert und regelmäßig veröffentlicht. Die eigenständigen Heimkehrer dagegen tauchen nicht auf. Allerdings bekommen alle abgelehnten Asylbewerber, die freiwillig das Land verlassen wollen, eine sogenannte Grenzübertrittsbescheinigung, die sie bei der Ausreise an der Grenze abgeben sollen. Bis September nahmen Grenzbehörden 34.440 solcher Bescheinigungen entgegen, so das Ministerium.

Doch auch diese Zahl erfasse noch nicht alle Ausreisen. Denn einige Betroffene gäben die Bescheinigung bei einer ausländischen Grenzbehörde oder einer deutschen Auslandsvertretung ab und tauchten so in der Statistik nicht auf. Zwischen Januar und September seien zudem etwa 18.000 Menschen abgeschoben worden, 5.000 davon in andere EU-Staaten.

Jelpke sagte, es sei ein "Armutszeugnis", dass keine Gesamtzahl zu freiwilligen Ausreisen vorliege, obwohl mit dem Thema seit Jahren Politik gemacht werde. Die Bundesregierung nutze die angeblich zu geringe Durchsetzung der Ausreisepflicht für eine populistische Debatte, ohne die Zahlen zu kennen.

Menschen, deren Asylantrag keinen Erfolg hatte und die einer Abschiebung entgehen wollen, können freiwillig ausreisen und dabei finanzielle Unterstützung bekommen. Das gilt auch für Menschen, deren Asylverfahren noch nicht abgeschlossen ist, aber wenig Aussicht auf Erfolg hat. Eine freiwillige Ausreise finanziell zu unterstützen, ist für den Staat günstiger, als eine Abschiebung durchzusetzen. Im August 2017 waren nur etwa die Hälfte der Ausreisepflichtigen (110.300)  abgelehnte Asylbewerber. Andere Menschen hatten etwa vorher ein gültiges Visum, das dann abgelaufen ist.