In Deutschland beantragen deutlich weniger unbegleitete Minderjährige Asyl als im Vorjahr. Wie der Bundesfachverband Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge (BumF) unter Berufung auf aktuelle Zahlen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) mitteilte, wurden von Januar bis August dieses Jahres nur rund 6.900 Asylanträge von Minderjährigen gestellt – im gleichen Zeitraum 2016 waren es noch viermal so viele (mehr als 28.000 Anträge). Fast die Hälfte aller Antragsteller stammten demnach aus Afghanistan oder Eritrea, der Großteil sei 16 oder 17 Jahre alt und männlich.

Da der Anteil von Jugendlichen unter den Bootsflüchtlingen immer größer werde und sie meist auch über das 18. Lebensjahr hinaus unterstützt werden müssten, warnte der Verband davor, voreilig Kapazitäten zu verringern. Er müsse auch mehr legale Ein- und Weiterreisemöglichkeiten nach und in Europa geben.

Zudem kritisierte der BumF, dass die Anerkennungsquote für junge Flüchtlinge von 89 auf 80 Prozent gesunken sei. Das Bamf habe seine Entscheidungspraxis gegenüber Antragstellern aus Afghanistan, Eritrea und Somalia verändert, obwohl die tatsächliche Schutzbedürftigkeit unverändert hoch sei. Das Bamf äußerte sich nicht zu den Gründen für die gesunkene Schutzquote. Asylverfahren würden "in jedem Einzelfall und nach individuellem Schutzbedarf entschieden", sagte eine Sprecherin.

Europäischer Gerichtshof stärkt Rechte von Flüchtlingen

Unterdessen hat der Europäische Gerichtshof das Recht von Flüchtlingen auf eine zügige Bearbeitung ihrer Asylanträge in der EU gestärkt. Nach der sogenannten Dublin-Verordnung ist zwar grundsätzlich das erste EU-Land, in dem ein Flüchtling ankommt, für den Asylantrag zuständig. Reist dieser jedoch innerhalb der EU weiter und wird nicht innerhalb einer Frist von sechs Monaten in das Land der Erstankunft zurückgeschickt, wird das Land für seinen Schutzantrag zuständig, in dem er sich seitdem aufhält, stellten die Richter klar.

Hintergrund der Entscheidung war der Fall eines Iraners, der 2015 über die Türkei nach Bulgarien kam. Dort stellte er einen Antrag auf internationalen Schutz, bevor er nach Österreich weiterzog, wo er ebenfalls einen Antrag stellte. Der EuGH urteilte, dass Österreich nun für ihn zuständig sei, weil die sechsmonatige Frist zur Rückführung in das Land, in dem er zuerst Asyl beantragt hatte, abgelaufen sei.