Frankreich - IS reklamiert tödlichen Angriff in Marseille für sich Am Hauptbahnhof der französischen Stadt hat ein Mann zwei Frauen erstochen. Der »Islamische Staat« übernahm die Verantwortung für die Tat. © Foto: Claude Paris / AP Photo

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hat die Messerattacke in der südfranzösischen Stadt Marseille für sich beansprucht. Ein IS-Extremist sei für den Angriff verantwortlich, meldete die IS-nahe Nachrichtenagentur Amaq. Ob der IS im Voraus über die Tat informiert war und mit dem Angreifer in Kontakt stand, lässt sich daraus jedoch nicht schließen.

Ein Mann war am Nachmittag am Bahnhof Saint-Charles mit einem Messer auf Passanten losgegangen und hatte zwei junge Frauen erstochen. Nach Angaben der Polizei wurde der Täter daraufhin von Soldaten erschossen. Er starb wenig später.

Die Pariser Staatsanwaltschaft gab bekannt, sie habe Terrorermittlungen aufgenommen. Sie ermittle wegen Mordes in Verbindung mit einem terroristischen Vorhaben und versuchten Mordes an Amtspersonen. "Diese Tat könnte terroristischer Natur sein, aber derzeit können wir das nicht bestätigen", sagte Innenminister Gérard Collomb bei einem Besuch am Tatort. Es gebe Zeugenaussagen, nach denen der Mann bei seiner Attacke auf dem Bahnhofsvorplatz "Gott ist groß" auf Arabisch gerufen habe. Die Polizei befrage derzeit zehn Zeugen.

Laut Collomb konnten Videoaufnahmen des Täters sichergestellt werden. Darauf sei zu sehen, dass der Mann zunächst eine Frau tötet, wegrennt, bevor er kehrtmacht und eine weitere Frau angreift. Anschließend hätten ihn die Soldaten vor dem Bahnhof erschossen. Seit dem Anschlag auf das Satiremagazin Charlie Hebdo patrouillieren Soldaten in französischen Städten.

Der französische Präsident Emmanuel Macron äußerte sich "tief empört über diesen barbarischen Akt" und lobte die besonnene und wirkungsvolle Reaktion der Einsatzkräfte. "Wir lassen in der Wachsamkeit nicht nach", schrieb Premierminister Édouard Philippe. Frankreich war in den vergangenen Jahren mehrfach Ziel islamistischer Anschläge.

Nach der Attacke war der Bahnhof geräumt worden, Polizisten und Soldaten bezogen Posten um das Gebäude. Die Polizei rief die Bevölkerung auf, den Bahnhof zu meiden. Am späten Nachmittag fuhren in Marseille dann wieder die ersten Züge. Die Eisenbahngesellschaft SNCF erklärte, ein Teil des Bahnhofs Saint-Charles sei wieder geöffnet. Sie rief ihre Kunden aber auf, Reisen von und nach Marseille zu verschieben. Mitte September hatte ein Mann im Marseiller Bahnhof vier Amerikanerinnen mit Säure angegriffen. In Frankreich patrouillieren etwa 7.000 Soldaten vor wichtigen Touristenattraktionen, Gotteshäusern, Bahnhöfen und Flughäfen.