Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen wirft Griechenland und der EU vor, für einen "psychosozialen Notstand" unter Asylsuchenden auf den griechischen Inseln mitverantwortlich zu sein. Die Teams der Organisation auf Lesbos und Samos behandelten immer häufiger Patienten, die Selbstmordversuche oder Selbstverletzungen unternommen oder psychotische Episoden durchlebt hätten, heißt es in einem Bericht der Hilfsorganisation. Das komme von Gewalt, Vernachlässigung und den schlechten Lebensbedingungen in den Camps.

Ärzte ohne Grenzen fordert Konsequenzen von Griechenland und der EU. Alle Asylsuchenden müssten umgehend auf das griechische Festland umgesiedelt werden, wo sie angemessen untergebracht werden könnten und auch einen besseren Zugang zu der nötigen Gesundheitsversorgung hätten. 

"Diese Menschen haben Bombardements, extreme Gewalt und traumatische Erfahrungen in ihren Heimatländern und auf der Flucht nach Europa erlebt", sagte Jayne Grimes, die das psychosoziale Programm von Ärzte ohne Grenzen auf Samos leitet. "Doch es sind die Lebensumstände auf den griechischen Inseln, die sie in Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und selbstverletzendes Verhalten treiben. Es ist eine Schande." 

Während des Sommers seien pro Woche sechs bis sieben neue Flüchtlinge nach Selbstmordversuchen, mit Selbstverletzungen oder psychotischen Episoden mit akutem Behandlungsbedarf in die Klinik der Organisation auf Lesbos gekommen. Im Vergleich zu den vorangegangenen drei Monaten sei die die Zahl der Patienten in dieser Klinik um 50 Prozent gestiegen.