Knapp einen Monat nach dem Unabhängigkeitsreferendum der Kurden im Nordirak meldet das irakische Militär die Eroberung einer weiteren Stadt von kurdischen Kämpfern. Nach kurzen Gefechten hätten Antiterroreinheiten gemeinsam mit der Bundespolizei und der Volksmobilisierungsfront die Stadt Altin Köprü und umliegende Gebiete sichern können, teilte die Zentralregierung mit. Der Einsatz sei Teil der Operationen, mit denen kurdische Kämpfer an die Grenzen ihrer autonomen Region im Irak zurückgedrängt werden sollen.

Die Angaben konnten zunächst nicht von unabhängiger Seite bestätigt werden. Das Generalkommando der kurdischen Peschmerga-Kämpfer dementierte die Erklärung des Ministeriums. Kurdische Kämpfer hätten den Vormarsch abgewehrt und zehn Militärfahrzeuge sowie einen Panzer zerstört. 30 kurdische Kämpfer seien getötet worden.

Altin Köprü gehört zu den Gebieten unter kurdischer Kontrolle, die die irakische Regierung für sich beansprucht. Es wurde 2014 von Kurden besetzt, nachdem irakische Truppen vor Kämpfern der Terrormiliz "Islamischer Staat" von dort geflohen waren. Altin Köprü liegt rund 50 Kilometer südlich der kurdischen Regionalhauptstadt Erbil und ist der letzte Ort in der ölreichen Provinz Kirkuk, der noch unter Peschmerga-Kontrolle stand. Das irakische Militär hatte Anfang dieser Woche bereits große Gebiete eingenommen. Aus den meisten Orten zogen sich die Kurden ohne Widerstand zurück.   

Der Konflikt zwischen der irakischen Zentralregierung und den Kurden war eskaliert, nachdem die Kurden ihre Unabhängigkeitspläne nach dem umstrittenen Referendum vorangetrieben hatten. Die Regierung lehnt eine Abspaltung der Autonomen Region Kurdistan ab. 

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch berichtete von Übergriffen und Plünderungen in dem Ort Tus Churmatu, den das irakische Militär Anfang der Woche eingenommen hatte. Die UN-Mission im Irak hatte zuvor mitgeteilt, ihr lägen Berichte vor, wonach bewaffnete Gruppen 150 Häuser angezündet hätte.

Bundeswehr will Ausbildung von Peschmerga-Kämpfern wieder aufnehmen

Einem Bericht der kurdischen Nachrichtenseite Rudaw zufolge setzten die Kurden bei den Gefechten die Panzerabwehrwaffe Milan ein und zerstörten zwei gepanzerte Fahrzeuge. Diese Waffe hatte Deutschland für den Kampf gegen den IS an die Peschmerga geliefert. Der kurdische Sicherheitsrat wiederum erklärte, Armee und Milizen hätten US-Waffen benutzt. Auch das Verteidigungsministerium in Berlin bestätigte den Einsatz der Milan nicht. "Uns liegen zu dieser Berichterstattung keine eigenen Erkenntnisse vor", sagte ein Sprecher.

Die Bundeswehr hatte angekündigt, die wegen der Kämpfe ausgesetzte Ausbildung der Peschmerga-Kämpfer voraussichtlich am Sonntag wieder aufzunehmen. Allerdings werde die Lage in der Region weiterhin genau beobachtet. Die Bundeswehr hatte wegen des Konflikts zwischen den irakischen Kurden und der Zentralregierung in Bagdad die Ausbildung der Peschmerga am Freitag vergangener Woche unterbrochen.

"Mittlerweile hat sich die Lage schon wieder beruhigt", sagte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums zunächst. Berichte über neue Kampfhandlungen im Nordirak hätten nicht verifiziert werden können. Verteidigungsministerin von der Leyen habe mit dem Präsidenten der Autonomen Region Kurdistan, Massud Barsani, und mit dem irakischen Ministerpräsidenten Haider al-Abadi gesprochen. Diese hätten dem Sprecher zufolge zugesichert, sich um einen politischen Ausgleich bemühen zu wollen.