Der syrische oppositionelle Filmemacher Mohammed Bajasid ist in Istanbul niedergestochen worden. Das berichtet ein Freund Bajasids, der den Überfall miterlebte, auf der Facebook-Seite des Regisseurs. Auch die Ehefrau des Filmemachers, Samah Safi Bajasid, bestätigte den Vorfall und sprach auf Facebook von einem "Mordversuch".

Den Berichten zufolge sei Bajasid auf dem Weg zu einer Verabredung von einem unbekannten Angreifer niedergestochen worden. Daraufhin wurde der Regisseur ins Krankenhaus eingeliefert. Wie die britische Zeitung Guardian unter Berufung auf seine Ehefrau berichtet, habe sich Bajasid anfangs in einem kritischen Zustand befunden – mittlerweile sei er aufgewacht und bei Bewusstsein. Das Messer habe demnach nur knapp sein Herz verfehlt. Es sei zu massiven Blutungen gekommen. Seiner Ehefrau zufolge sei es "ein Wunder, dass er überlebt hat".

Wie der Vertreter der syrischen Opposition in Istanbul, Ahmed Ramadan, mitteilte, hatte Bajasid zuletzt an einem Film über Folter im Tadmur-Gefängnis gearbeitet. In der Haftanstalt nahe der Ruinenstadt Palmyra wurden 1980 Hunderte Insassen hingerichtet. Syrien stand damals unter der Herrschaft von Hafis al-Assad, dem Vater des amtierenden Präsidenten Baschar al-Assad. Der Film über die Verbrechen in Tadmur hatte am vergangenen Wochenende Premiere in der Türkei.

Bajasid wurde 2011 in Damaskus von Regierungstruppen festgenommen und gefoltert. Später gewährten die USA ihm Asyl, dort konnte er auch Film studieren. In Istanbul wollte er potenzielle Investoren treffen, die das Filmprojekt finanziell unterstützen sollten.

Etwa drei Millionen Syrer sind in die Türkei geflohen, darunter zahlreiche Assad-Gegner. In der Vergangenheit klagten syrische Oppositionelle über Drohungen. Im Jahr 2015 wurden im Süden der Türkei zwei Journalisten aus Rakka ermordet, die über die Verbrechen der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) berichtet hatten. Erst im September dieses Jahres wurden eine syrische Aktivistin und ihre Tochter in ihrer Wohnung in Istanbul ermordet.