Kalifornien - Mindestens 17 Tote bei Bränden im Weingebiet Feuerwehrmänner beschrieben die Wucht und die Menge der Brände in dem Gebiet als »so nie dagewesen«, teilweise hätten die Einsatzkräfte keine Chance die Brände einzudämmen. © Foto: Stephen Lam / Reuters

Am zweiten Tag der Wald- und Buschbrände in Nordkalifornien ist die Zahl der Toten auf 17 weiter gestiegen. Dies teilte der Sheriff des Bezirks Sonoma am späten Dienstagabend (Ortszeit) mit. In Sonoma waren bisher insgesamt elf Menschen ums Leben gekommen. Drei weitere Tote wurden in Mendocino gemeldet. Im Bezirk Napa sind demnach zwei Menschen ums Leben gekommen und in Yuba einer. Die Gegenden nördlich der Bucht von San Francisco sind vor allem als Weinanbaugebiete bekannt.

Bei den beiden Toten in Napa handelte es sich lokalen Medien zufolge um ein Ehepaar im Alter von 100 und 98 Jahren. Sie konnten sich demnach nicht rechtzeitig vor den Flammen retten.

Zudem werden mindestens 185 Menschen wegen Rauchvergiftungen, Atemproblemen oder Verletzungen behandelt, wie das Santa Rosa Memorial Krankenhaus mitteilte. Demnach erlitten 14 Patienten Verbrennungen, drei von ihnen mussten auf der Intensivstation behandelt werden. 

Die Polizei von Sonoma teilte auf ihrer Facebook-Seite mit, allein in ihrem Landkreis seien zudem 150 Menschen als vermisst gemeldet worden. Doch die Behörden zeigten sich "zuversichtlich, dass die meisten dieser Menschen wohlauf wiedergefunden und mit ihren Liebsten vereint werden".

"Es ist die reine Zerstörung", sagte Feuerwehrchef Ken Pimlott. Mehr als 400 Feuerwehrleute kämpfen gegen die Flammen. Dazu kommen nach Angaben von CNN etwa 4.000 Ersthelfer, Freiwillige und Militärs.

Kaliforniens Gouverneur Jerry Brown rief den Notstand für acht Bezirke aus. In der Stadt Santa Rosa, in der mehrere Wohngebiete abbrannten, wurde eine Ausgangssperre verhängt, um Plünderungen zu verhindern. Mehr als 25.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen.

2.000 Gebäude zerstört, 25.000 Bewohner geflohen

Ein Sprecher des Sheriffs von Mendocino sagte dem Sender CBS, es werde mit weiteren Opfern gerechnet. Davon ging auch Gouverneur Brown aus. In einem Brief an US-Präsident Donald Trump schrieb er, die Brände hätten in weniger als 24 Stunden mehr als 2.000 Häuser zerstört. Tausende weitere Gebäude seien bedroht. Nach Behördenangaben wurden seit Sonntagabend mehr als 46.500 Hektar Land zerstört. Brown forderte Trump auf, den Katastrophenfall zu erklären, um Bundesmittel freizugeben – was er auch tat.

Trump sagte, seine Regierung sei an der Seite der Kalifornier. Die Brände hätten eine furchtbare Tragödie verursacht. "Die Menschen haben mein größtes Mitgefühl. Sie machen eine Menge durch", sagte Trump am Rande einer Ehrung im Weißen Haus.

Trockene Windböen fachen die Brände an

Nach Angaben der Behörden seien weiterhin mindestens 17 Brände aktiv. Die Feuerwehr erklärte zwischendurch, sie habe dank abnehmendem Wind und kühlerem Wetter "über Nacht gute Fortschritte gemacht". Angefacht wurden die Brände unter anderem durch sogenannte Santa-Ana-Winde, die mitunter eine Geschwindigkeit von mehr als 90 Stundenkilometern erreichten. Es handelt sich hierbei um ein meteorologisches Phänomen, das trockene Winde aus dem Bergland östlich der kalifornischen Küste bringt. Für Mittwoch werden jedoch weitere Winde vorhergesagt, die die Brände anfachen können.

In der am schlimmstem betroffenen Stadt Santa Rosa wurden das Krankenhaus sowie das Hilton Hotel evakuiert. Es sei davon auszugehen, dass das Feuer das Hotel schwer beschädigt habe, teilte das Hilton Sonoma Wine Country auf Facebook mit. "Die Häuser sind weg, sie sind wie Staub", sagte der Personal Trainer Jack Dixon, der in der 175.000-Einwohner-Stadt lebt. "Es sieht aus, als wäre eine Atombombe abgeworfen worden."

Mehrere Autobahnen und Straßen wurden gesperrt. Nach Angaben des Versorgers Pacific Gas & Electric fiel zunächst bei 196.000 Kunden wegen der Brände der Strom aus. Selbst im 60 Kilometer entfernten San Francisco sind riesige Rauchwolken zu sehen, auch der Brandgeruch dringt bis in die Millionenmetropole.