Im vergangenen Jahr haben deutsche Behörden fast doppelt so oft wegen Herstellung, Besitzes und Verbreitung von Kinderpornografie ermittelt wie noch 2015. Insgesamt wurden 1.353 Fälle registriert – 570 mehr als im Jahr zuvor. Das berichtet die Welt und beruft sich auf eine Statistik der Zentralstelle für die Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT). Die Sondereinheit der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main erwartet auch für 2017 einen starken Anstieg.

Mehr als Tausend Verfahren gehen demnach auf Hinweise aus den USA zurück. Fast täglich erhalten deutsche Behörden mittlerweile Meldungen. In den USA gibt es eine gesetzliche Meldeflicht für Pornografie mit Kindern. Außerdem sind Internetanbieter und Unternehmen verpflichtet, die Inhalte der Nutzer nach verdächtigem Material zu filtern. "Deutsche Firmen sind aktuell nicht zu einer solchen Filterung verpflichtet", sagte Oberstaatsanwalt und ZIT-Sprecher Georg Ungefuk der Zeitung. Je präsenter der Staat in diesem Bereich sei, umso mehr Straftaten würden aufgedeckt werden. Das würden die US-Regelungen zeigen.

Auch der Deutsche Kinderschutzbund befürwortet eine Verschärfung der deutschen Praxis. Provider, Datenspeicherdienste oder E-Mail-Anbieter sollten in die Verantwortung genommen werden. "Etwa beim Aufspüren und Anzeigen von kinderpornografischem Material", sagte die stellvertretende Geschäftsführerin der Organisation, Martina Huxoll-von Ahn, der Welt. Ob eine elektronische Filterung allerdings dazu führt, dass die Missbrauchstäter ausfindig gemacht werden können, sei fraglich. Die bestehenden Programme finden nur bereits bekannte Kinderpornografie.

Zuletzt machte der Fall eines vierjährigen Missbrauchsopfers Schlagzeilen. Die Polizei suchte öffentlich mit Bildern des Mädchens nach dem Täter und konnte so einen Verdächtigen identifizieren. Im Juli hatten deutsche Ermittler eine Kinderpornografieplattform im Darknet zerschlagen und zahlreiche Verdächtige festgenommen.