Las Vegas - Freundin des Attentäters soll nichts geahnt haben Ermittler haben bei der Suche nach einem Motiv vor allem auf die Freundin des Täters gesetzt. Laut Aussage wusste sie jedoch nichts von den Plänen ihres Lebensgefährten. © Foto: afp-tv

Drei Tage nach dem Massaker von Los Angeles sind die Motive des Attentäters weiter unklar. Auch die Befragung der Freundin des 64-jährigen Stephen Paddock durch die US-Bundespolizei FBI lieferte keine neuen Erkenntnisse. Behördenvertretern zufolge gab es bislang keine Hinweise, dass die 62-jährige Frau Kenntnis von Paddocks Pläne hatte. Ähnlich äußerte sich ihr Anwalt, der in Los Angeles eine Erklärung seiner Mandantin verlas. "Es kam mir niemals in irgendeiner Weise in den Sinn, dass er eine Gewalttat gegen irgendjemanden plante", wurde Paddocks Freundin zitiert.

Las Vegas - Attentäter plante Tat akribisch Im Fall des Attentats von Las Vegas haben die Ermittler Überwachungskameras im Hotelflur und am Türspion gefunden. Diese könnten den Täter vor der Polizei gewarnt haben. © Foto: Lucy Nicholson/Reuters

Marilou Danley – ursprünglich von den Philippinen und im Besitz der australischen Staatsbürgerschaft – war am Mittwoch von einem Familienbesuch auf den Philippinen in die USA zurückgekehrt und umgehend danach vom FBI befragt worden. Im Anschluss ließ sie mitteilen, nichts von den Anschlagsplänen ihres Lebensgefährten gewusst zu haben: "Er hat nie etwas zu mir gesagt oder etwas getan, das ich als Warnung hätte verstehen können, dass so etwas Schreckliches passieren würde". Sie habe Paddock als "freundlichen, liebevollen, stillen Mann" gekannt. Sie habe ihn geliebt und auf eine "ruhige gemeinsame Zukunft" mit ihm gehofft.

Polizei geht von Komplizen aus

Vor zwei Wochen habe Paddock ihr ein Flugticket gebucht, um ihre Familie in den Philippinen besuchen zu können, berichtete Danley. Als Paddock ihr während des Aufenthalts 100.000 Dollar für den Kauf eines Hauses überwiesen habe, habe sie zunächst befürchtet, dass er die Beziehung zu ihr beenden will. Laut Medienberichten lernte sie Paddock vor einigen Jahren in einem Casino in Reno im Bundesstaat Nevada kennen, wo sie als Hostess arbeitete. Der spätere Massenmörder soll ein leidenschaftlicher Spieler gewesen sein und häufig Casinos besucht haben. 

Am Sonntagabend hatte Paddock während eines Country-Konzerts in Las Vegas von seinem Zimmer im 32. Stock eines Hotels aus das Feuer auf Konzertbesucher eröffnet. Er tötete 58 Menschen und später auch sich selbst; 489 Menschen wurden verletzt. Sheriff Joseph Lombardo zufolge hortete der Täter an verschiedenen Orten insgesamt 47 Schusswaffen und zeigt damit, dass dieser den Angriff gründlich geplant hat – und möglicherweise auch Unterstützung durch einen Komplizen hatte. Bislang habe die Polizei aber noch keinen Verdächtigen identifiziert. Auch Danley wird von der Polizei nicht als Verdächtige, sondern lediglich als "Person von Interesse" eingestuft.  

"Eine Nation in Trauer"

Nach FBI-Angaben gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass das Attentat einen terroristischen Hintergrund hat. Paddock wird als Einzeltäter beschrieben. Seine Beweggründe sind auch deswegen so rätselhaft, weil er nicht in die Täterprofile ähnlicher Massaker passt. Er galt als wohlhabend und hatte keine Vorstrafen. Hinweise auf eine psychische Erkrankung oder soziale Entfremdung gibt es bisher nicht. Außerdem finden sich keine Anzeichen für extreme politische oder weltanschauliche Überzeugungen.

Am Mittwoch besuchten US-Präsident Donald Trump und seine Ehefrau Melania Opfer des Massakers in einem Krankenhaus und ein Kommandozentrum der Polizei, wo der Präsident den Einsatz der Polizisten, Ärzte und anderen Helfer würdigte und seine Solidarität mit den Überlebenden bekundete. In den kommenden Monaten "werden wir alle mit dem Horror zu kämpfen haben", sagte Trump und bezeichnete Amerika als "eine Nation in Trauer". Zum Stand der Ermittlungen äußerte sich der Präsident nicht näher. Den Heckenschützen bezeichnete er lediglich erneut als "sehr kranken" und "sehr verrückten" Mann. 

USA - Trump besucht Überlebende von Las Vegas US-Präsident Donald Trump hat nach der Schießerei in Las Vegas den Mut der Helfer gelobt und die USA als »Nation in Trauer« bezeichnet. Unterdessen werden die Rufe nach schärferen Waffengesetzen lauter. © Foto: Kevin Lamarque/Reuters