Vor den Schüssen auf ein Countrymusikkonzert in Las Vegas mit 58 Toten hatte der mutmaßliche Schütze Stephen Paddock weitere Zimmer in hochgeschossigen Gebäuden mit Blick auf zwei andere Musikfestivals gebucht. Demnach reservierte Paddock im August ein Zimmer in Chicago, von dem aus man auf das Lollapalooza-Festival blicken konnte. Ob sich Paddock zum Zeitpunkt des Festivals tatsächlich in Chicago aufhielt, dafür gebe es den Ermittlern zufolge bisher keine Anhaltspunkte.

Zudem habe Paddock am Wochenende vor dem Angriff in Las Vegas schon einmal eine Wohnung in der Stadt bezogen. Über die Vermittlungswebsite Airbnb habe er eine Wohnung in einem Gebäude mit 21 Stockwerken gebucht. Von dort sei das Festival Life ist Beautiful einzusehen gewesen, sagte der Sheriff von Las Vegas, Joseph Lombardo. Diese vorangegangenen Buchungen ließen nach Ansicht der Ermittler darauf schließen, dass Paddock Angriffe an den beiden Orten in Betracht gezogen habe.

Paddocks Freundin nennt ihn einen "liebevollen Mann"

Am Mittwoch vernahmen FBI-Agenten Paddocks Freundin, die 62-jährige Marilou Danley. Zum Zeitpunkt des Angriffs hielt sich Danley in ihrer Heimat, den Philippinen, auf. Von dort war sie am Dienstag zurückgekehrt und vom FBI empfangen worden. Dass Paddock "eine Gewalttat gegen irgendjemanden plante", sei ihr nie in den Sinn gekommen, sagte Danley: "Er hat nie etwas zu mir gesagt oder etwas getan, das ich als Warnung hätte verstehen können, dass so etwas Schreckliches passieren würde."

Sie gab an, Paddock als "freundlichen, liebevollen, stillen Mann" gekannt und auf eine "ruhige gemeinsame Zukunft" mit ihm gehofft zu haben. Marilou Danley gilt nicht als Verdächtige, sondern wird als "Person von Interesse" eingestuft. Nach der Vernehmung wurde sie nicht festgehalten.

Vor dem tödlichen Angriff hatte Paddock 100.000 Dollar auf das Konto seiner Freundin überwiesen. Danleys Anwalt sagte, seine Mandantin habe sich über das Geld gefreut, mit dem sie ihrer Familie ein Haus kaufen wollte. Später habe sie sich aber gesorgt, Paddock könnte die Beziehung zu ihr möglicherweise beenden. Die beiden sollen sich in einem Casino in Reno, Nevada, kennengelernt haben. Dort hatte Danley als Hostess gearbeitet.

Im Auto des Täters finden Ermittler 23 Kilo Sprengstoff

In dem Hotelzimmer in Las Vegas, in dem ein Einsatzkommando der Polizei den pensionierten Buchhalter Paddock tot aufgefunden hatte, fanden die Ermittler 23 Schussfeuerwaffen. Insgesamt soll Paddock 47 Schussfeuerwaffen an verschiedenen Orten deponiert haben. Sheriff Lombardo äußerte die Vermutung, Paddock habe die Tat möglicherweise nicht allein vorbereitet. Die großen Mengen transportierten Materials legten nahe, dass er "zu einem bestimmen Zeitpunkt von Hilfe profitiert hat", sagte der Polizeichef.

Zudem gab Lombardo bekannt, dass der Täter vermutlich nicht von vornherein geplant hatte, sich selbst zu töten. Zwei Kameras sollen auf einem Servierwagen im Flur vor dem Hotelzimmer im 32. Stock des Mandalay-Bay-Hotels installiert worden sein. Das berichtete der Sender CNN. Eine weitere Kamera befand sich im Guckloch der Zimmertür. Paddock "tat zu diesem Zeitpunkt alles ihm Mögliche, um zu sehen, wie er noch fliehen könnte", sagte der Sheriff. Als ihm das nicht mehr möglich schien, habe er sich erschossen. In Paddocks Auto im Parkhaus des Hotels hatten Ermittler knapp 23 Kilo Sprengstoff und weitere 1.600 Schuss Munition gefunden. Aus welchem Motiv der Schütze gehandelt haben mag, ist weiterhin unklar.

Das US-amerikanische Präsidentenpaar besuchte Las Vegas am Mittwoch. Donald Trump lobte den Einsatz der Hilfskräfte und sprach den Betroffenen seine Solidarität aus. Die USA seien eine "Nation in Trauer", sagte der Präsident.

Lässt die Waffenlobby NRA mit sich reden?

Welche politische Tragweite die Tat von Las Vegas haben wird, ist noch nicht abzusehen. Über eine Verschärfung der gültigen Waffengesetze wird diskutiert. Mehrere Senatoren der Republikaner, die bisher strikt gegen jede Eindämmung des Rechts auf freien Zugang zu Schusswaffen eintraten, signalisierten, zumindest über das Verbot von Umbauvorrichtungen sprechen zu wollen. Damit können halbautomatische Waffen bisher legal zu automatischen Waffen umgebaut werden, die außerhalb von Polizei und Militär verboten sind.

Auch das Weiße Haus und die mächtige Waffenlobby-Gruppe NRA zeigten sich bereit, über die Legalität der Vorrichtung zu sprechen. "Wir sind auf jeden Fall offen für diese Diskussion", sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Huckabee Sanders. Sie begrüße, dass auch die NRA dieser Meinung sei. Die Waffenlobby erklärte, die Umbauvorrichtungen sollten zusätzlichen Auflagen unterliegen und von zuständigen Bundesbehörden überprüft werden.

Eine weitere Verschärfung des Waffenrechts lehnte die NRA aber ab. "Gesetzestreuen Amerikanern auf Grundlage eines Verbrechens durch einen Verrückten die Waffen zu verbieten, wird nicht dazu beitragen, zukünftige Angriffe zu verhindern", hieß es in der Erklärung.