Als ein Auto Fußgänger vor dem Natural History Museum in London anfährt, werden schnell Erinnerungen an die Terrorangriffe der vergangenen Monate wach. Erst Stunden später gibt die Polizei Entwarnung, dass es sich bei dem Vorfall nicht um einen Terroranschlag, sondern um einen Verkehrsunfall handelt.

Um kurz nach 14 Uhr Ortszeit war ein Auto im Stadtteil Kensington auf einen Bürgersteig gefahren und hatte mehrere Passanten erfasst. Laut Polizei wurden elf Menschen verletzt, neun davon wurden in Krankenhäuser gebracht. Wie der britische Nachrichtensender BBC unter Berufung auf einen Reporter vor Ort berichtet, seien die Verletzungen der Fußgänger nicht schwerwiegend.  Wie es zu dem Unfall kommen konnte, war auch am Morgen noch unklar. Über die Identität des festgenommenen Fahrers wurde nur gesagt, er sei zwischen 40 und 50 Jahren alt. Er sei wegen des Verdachts gefährlichen Fahrens festgenommen worden, berichtete der Sender BBC.

Die Polizei bezeichnete den Vorfall von Beginn an offiziell als "Kollision". Sie riegelte das Gebiet weiträumig ab und sperrte mehrere Straßen. Ladenbesitzer wurden angewiesen, ihre Geschäfte zu evakuieren. Fotos zeigten ein verbeultes silbernes Auto. Wie Augenzeugen berichten, war schnell ein großes Polizeiaufgebot vor Ort. Auch Rettungswagen seien angerückt und Helikopter kreisten in der Luft. Premierministerin Theresa May wurde über die Vorkommnisse in Kenntnis gesetzt.

Angaben der Polizei zufolge wurde eine Person verhaftet. Passanten hatten den Mann überwältigt. Die Ermittlungen wurden aufgenommen, um Umstände zu klären. Die drei großen Museen in der Nähe trafen besondere Sicherheitsvorkehrungen. Berichten zufolge schlossen das Natural History Museum und das Science Museum vorerst ihre Zugänge. Das weltbekannte Victoria and Albert Museum war zwar zunächst weiter geöffnet. Die Eingänge zur Exhibition Road seien aber geschlossen, twitterte das Museum am Samstagnachmittag. Die Polizei rufe die Bevölkerung auf, die Gegend rund um den Ort des Unfalls während der Ermittlungen zu meiden.

Der Vorfall weckte bei vielen Menschen in London böse Erinnerungen: Großbritannien ist in diesem Jahr bereits fünfmal Ziel eines Terroranschlags geworden. Mitte September explodierte in einer Londoner U-Bahn eine selbst gebaute Bombe. Rund 30 Menschen wurden verletzt. Ein Mann starb bei einem Angriff auf Moscheebesucher Ende Juni in der britischen Hauptstadt. Acht Menschen kamen Anfang Juni bei einem Angriff auf das Londoner Ausgehviertel Borough Market und die London Bridge ums Leben.

Bei einem Bombenattentat auf die Besucher eines Konzerts in Manchester im Mai starben 22 Menschen. Im März war ein Attentäter auf der Londoner Westminster-Brücke mit einem Auto gezielt in Fußgänger gerast, bevor er einen Polizisten auf dem Gelände des Parlaments niederstach. Fünf Menschen starben.