Zum ersten Mal seit zwei Jahren sinkt die Zahl der offenen Asylverfahren beim Bundesamt für Migration und Flüchtling auf unter 100.000. Anfang September waren es nur noch 99.334 unbearbeitete Asylanträge. Vor einem Jahr lagen mit 579.000 noch mehr als fünfmal so viele unbearbeitete Anträge auf den Schreibtischen der Behörde.

Die Anträge aus dem Vorjahr hätten eigentlich schon im Mai abgearbeitet sein sollen. Doch in den Jahren 2015 und 2016 waren beim Bamf so viele Anträge eingegangen, dass die Beamten ihrem Zeitplan immer hinterherliefen. Im vergangenen Jahr waren 430.000 Verfahren liegengeblieben. Von Anfang Januar bis Ende September 2017 kamen knapp 140.000 neue Anträge hinzu.  

"Wir werden nie auf einem Stand von Null sein" sagte Jutta Cordt, Leiterin des Bamf. Man habe aber vor, die Zahl bis zum Jahresende noch weiter zu reduzieren: auf 50.000 offene Anträge. Das ist möglich, weil auch die Zahl der Neuanträge stetig zurück geht. Im September wurden nur 14.688 Asylsuchende neu registriert.

Türkei erstmals auf Rang drei

Die meisten Schutzsuchenden kommen noch immer aus Syrien und dem Irak, gefolgt von der Türkei, die erstmals in der Rangliste der Herkunftsländer auf Rang drei liegt. Seit dem Putschversuch im vergangenen Jahr geht die türkische Regierung hart gegen Oppositionelle vor. Die Zahl türkischer Asylbewerber stieg daraufhin zum ersten Mal seit zehn Jahren sprunghaft an.

Die Arbeit des Bamf wird immer noch kritisch bewertet. Für die neue Effizienz hatte die Behörde die Beratungsagentur McKinsey engagiert, daraufhin klagten Mitarbeiter über Zeitdruck und Angst. Auch die Klagen gegen die Bescheide häufen sich.