Im sizilianischen Palermo sind 606 aus dem Mittelmeer gerettete Bootsflüchtlinge an Land gebracht worden, unter ihnen 241 Kinder und Jugendliche. Die Hilfsorganisation SOS Méditerranée hatte die Menschen in sieben Einsätzen während der vergangenen 36 Stunden an Bord ihres Schiffes Aquarius genommen. In der sizilianischen Hafenstadt wurden die Migranten laut italienischen Medien an eine Taskforce des Innenministeriums übergeben.

Den Angaben zufolge befanden sich unter den Geretteten elf schwangere Frauen und ein Neugeborenes. Etliche Passagiere wiesen Symptome von Mangelernährung auf; ein Jugendlicher hatte Schusswaffen- und Schnittverletzungen. Die Geretteten wurden von Mitarbeitern der Organisation Ärzte ohne Grenzen versorgt. Unter den Minderjährigen waren 178 ohne Begleitung Erwachsener.

50 Flüchtlinge kommen laut der Mitteilung aus Syrien und hatten über Libyen einen Weg nach Europa gesucht. Die übrigen stammen demnach aus verschiedenen afrikanischen Ländern und aus dem Jemen; ein Migrant sei aus der Türkei.

Die humanitäre Krise hält an

Die Organisation SOS Méditerranée teilte mit: "Die vielfachen Rettungseinsätze, die in den vergangenen Tagen (…) von Aquarius unternommen wurden, verdeutlichen, dass die humanitäre Krise im Mittelmeer anhält, sich sogar verschlimmert." Innerhalb von eineinhalb Jahren habe die Organisation fast 25.000 Menschen auf hoher See gerettet und auf der Aquarius aufgenommen. Die Organisation wird bei ihren Rettungsaktionen von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen unterstützt.

Nach Angaben der italienischen Regierung hat sich die Zahl derjenigen, die aus Tunesien nach Lampedusa oder Sizilien übersetzten, seit dem vergangenen Jahr verdreifacht. Die Zahl der Flüchtlinge, die das Mittelmeer von Algerien nach Sardinien überquerten, habe sich verdoppelt. Im selben Zeitraum habe sich die Zahl der aus Libyen kommenden Flüchtlinge um 25 Prozent verringert, die große Mehrheit von ihnen breche aber weiterhin von dem Bürgerkriegsland aus auf. Seit Januar haben rund 108.400 Geflüchtete die italienischen Küsten erreicht.

Die Internationale Organisation für Migration (IOM) teilte mit, seit Jahresbeginn seien im Mittelmeer 2.775 Menschen beim Versuch einer Überfahrt gestorben. Die Zahl der Toten von Januar bis Mitte Oktober 2016 betrug laut den Angaben 3.193.

Weniger Menschen wagen Fahrt nach Europa

Knapp 143.000 Bootsflüchtlinge kamen demnach seit Jahresbeginn in Europa an; drei Viertel erreichten einen italienischen Hafen. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres wurden laut IOM knapp 319.000 Ankünfte registriert, also mehr als doppelt so viele.

Das jüngste schwere Unglück mit Migranten auf dem Mittelmeer ereignete sich vergangenen Sonntag, als ein Schiff der tunesischen Kriegsmarine mit einem Flüchtlingsboot zusammenstieß und es zum Kentern brachte. Von den vermutlich 87 Passagieren wurden 38 gerettet.