Im Zuge des Skandals um US-Filmproduzent Harvey Weinstein ist der Chef der Amazon Studios, Roy Price, zurückgetreten. Das bestätigte ein Sprecher des Unternehmens. Price soll eine Mitarbeiterin mit sexuellen Bemerkungen bloßgestellt haben. Er war Ende vergangener Woche bereits suspendiert worden.  

Die Produzentin einer Amazon-Serie hatte im Magazin Hollywood Reporter die Vorwürfe gegen ihn erhoben. Demnach soll Price ihr 2015 in einem Taxi gesagt haben, sie werde seinen Penis lieben. Außerdem soll er auf einer Feier vor Kollegen laut "Analsex" in ihr Ohr gesagt haben.

Das zu Amazon gehörende Filmstudio arbeitete mit Harvey Weinstein zusammen. Die US-Schauspielerin Rose McGowan hatte Price nach eigenen Angaben mehrfach gesagt, dass "HW" sie vergewaltigt habe – er habe darauf aber nicht reagiert. Die Initialen habe sie ihren Worten nach nicht aufgeschlüsselt, allerdings Weinstein in einem früheren Tweet in den Zusammenhang von Vergewaltigungen gerückt. Neben Price war auch Amazon-Chef Jeff Bezos im Skandal um den Filmproduzenten in die Kritik geraten. An Bezos schrieb McGowan: "Ich rufe Sie dazu auf, mutmaßliche Pädophile und sexuelle Belästigter nicht weiter zu finanzieren." 

Harvey Weinstein verlässt auch Verwaltungsrat seiner Firma

Weinstein hat inzwischen auch seinen letzten Posten in seiner früheren Firma aufgegeben: Der 65-Jährige trat aus dem Verwaltungsrat von Miramax, der von ihm mitgegründeten Produktionsfirma, zurück, hieß es aus seinem Umfeld. Demnach erfolgte der Rücktritt bei einem Treffen von Weinsteins Anwälten mit dem Verwaltungsrat der Weinstein Company in New York.

Die Weinstein Company hatte ihren Mitgründer bereits am 8. Oktober, kurz nach Bekanntwerden der Belästigungsvorwürfe, als Co-Chef entlassen. Der Produzent hatte aber weiter seinen Sitz im Verwaltungsrat der Firma inne. Die Oscar-Akademie hatte Weinstein aus ihrem Verband ausgeschlossen. Auch die US-Produzentenvereinigung hat ein Ausschlussverfahren eingeleitet.

Immer mehr Frauen werfen Weinstein sexuelle Übergriffe vor. Die New York Times und das Magazin New Yorker hatten Anfang Oktober enthüllt, dass Weinstein über Jahrzehnte Frauen sexuell belästigt und sogar vergewaltigt haben soll. Insgesamt meldeten sich mehr als 40 Schauspielerinnen und Models mit entsprechenden Vorwürfen zu Wort, unter ihnen Angelina Jolie und Gwyneth Paltrow.

Der Vater von fünf Kindern zählte bisher zu den erfolgreichsten Hollywoodproduzenten. Die von seiner Firma produzierten Filme erhielten mehr als 300 Oscar-Nominierungen und 81 Oscars.