Fast die Hälfte der Frauen in Deutschland hat einer repräsentativen Umfrage zufolge sexuelle Belästigung erfahren. 43 Prozent der befragten Frauen gaben an, schon einmal sexuell bedrängt oder belästigt worden zu sein – bei den befragten Männern waren es zwölf Prozent. Das ergab eine Umfrage des Instituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur, an der Ende Oktober rund 2.000 Menschen teilnahmen.

Die Ergebnisse zeigen, wie verbreitet die Übergriffe auch in Deutschland sind, nachdem zuletzt Missbrauchsvorwürfe gegen den US-Filmmanager Harvey Weinstein weltweite Diskussionen entfacht hatten.

Den Zahlen zufolge hat mehr als jeder sechste Mann in Deutschland schon einmal jemanden sexuell bedrängt. 18 Prozent der befragten Männer räumten ein, sich selbst so verhalten zu haben, dass das Gegenüber dies "als unangemessen oder sexuell bedrängend empfunden haben könnte". Unter den teilnehmenden Frauen lag der Anteil mit sechs Prozent deutlich niedriger. Im öffentlichen Raum (14 Prozent) und im privaten Umfeld (13 Prozent) sind die Belästigungen demnach etwas häufiger als bei der Arbeit (10 Prozent).

Bereits Mitte des Monats hatte eine YouGov-eigene Umfrage mit fast 2.400 Teilnehmern ähnliche Zahlen zu Betroffenen ergeben. Die häufigste Art der Belästigung sind laut dieser Umfrage Berührungen (rund 28 Prozent), gefolgt von anzüglichen Sprüchen (24 Prozent).

Harvey Weinstein - Oscar-Akademie schließt Starproduzenten aus Wegen zahlreicher Vorwürfe der sexuellen Belästigung wurde Harvey Weinstein von der Oscar-Akademie ausgeschlossen. Er verdiene den Respekt seiner Kollegen nicht, zudem sei es ein Zeichen gegen das Wegschauen in der Filmbranche, so die Akademie. © Foto: Jordan Strauss/Invision/AP/dpa

Mit dem Hashtag #MeToo demonstrierten online in den vergangenen Wochen bereits zahlreiche Frauen, unter ihnen viele Stars, wie verbreitet das Problem ist: Sie berichteten von herabwürdigenden Kommentaren, unangenehmen Berührungen – und immer wieder Verharmlosung. Einige Männer bekannten sich daraufhin mit dem Hashtag #IHave zu Übergriffen.

Auch in der Politik kam es zu Diskriminierungsvorwürfen: Das EU-Parlament kündigte an, Vorwürfe der sexuellen Belästigung in seinen Reihen extern untersuchen zu lassen. Ebenso machten Mitarbeiter der Parlamente in Großbritannien und Schweden sexuelle Übergriffe öffentlich.