Die Zahl der Todesopfer nach dem schwersten Bombenanschlag in der somalischen Hauptstadt Mogadischu ist weiter auf 276 gestiegen. 300 Menschen seien in die Krankenhäuser der Hauptstadt gebracht worden, erklärte das somalische Informationsministerium in der Nacht zum Montag. Am Samstagnachmittag war ein mit Sprengstoff beladener Lastwagen vor einem Hotel in Hodan, einem belebten Viertel der Stadt, explodiert. Durch die Wucht der Detonation wurden mehrere Gebäude zerstört oder schwer beschädigt, darunter die diplomatische Vertretung von Katar. Zu dem Anschlag bekannte sich zunächst niemand.

Die Bombenexplosion war das schlimmste Einzelattentat, das es jemals in der Nation am Horn von Afrika gab. Die somalische Regierung machte die radikalislamische Al-Shabaab-Miliz für die Tat verantwortlich, die sie als "nationale Katastrophe" bezeichnete. "Sie haben die belebteste Gegend in Mogadischu ins Visier genommen und nur Zivilisten getötet", sagte Ministerpräsident Hassan Ali Khaire. Der Sondergesandte der Vereinten Nationen für Somalia, Michael Keating, bezeichnete den Lastwagenanschlag als abscheulich. Eine beispiellose Zahl von Zivilisten sei getötet worden.

Auch Präsident Mohamed Abdullahi Mohamed machte die Al-Shabaab-Miliz für den Anschlag verantwortlich. Ziel des "schrecklichen Angriffs" seien unschuldige Zivilisten und nicht Regierungsvertreter gewesen, sagte er in einer Fernsehansprache. Er ordnete eine dreitägige Staatstrauer an. Die Tat verdeutliche die Grausamkeit ihrer Urheber, die "ohne jedes Mitleid" und ohne einen Unterschied zu machen unschuldige Menschen töteten. Am Sonntag besuchte der Präsident eines der Krankenhäuser, in dem mehr als 200 Verletzte behandelt wurden.

Rettungskräfte suchten in den Trümmern des größtenteils zerstörten Safari Hotels nach Überlebenden. Das Hotel befindet sich nahe dem somalischen Außenministerium. Ziele der extremistischen Al-Shabaab-Miliz sind oft Hotels oder Restaurants, in denen Regierungsvertreter verkehren.

Krankenhäuser bitten um Blutspenden

Der Anschlag hatte so schwerwiegende Folgen, dass auch einen Tag danach die genaue Zahl der Opfer nicht feststand. Der somalische Sicherheitsvertreter Abdukadir Muktar sprach von Hunderten Toten und Verletzten. Der Leiter des Sanitätsdienstes, Abdukadir Hadschi Aden, sagte: "Alle Krankenhäuser sind voll mit Opfern der Explosion, das ist eine beispiellose Tragödie."

Der somalische Informationsminister Abdirahman Omar sagte, die Explosion sei die größte gewesen, die Mogadischu jemals erlebt habe. "Es ist ein trauriger Tag. Das ist so gnadenlos und brutal. Wir müssen uns gegen sie vereinen", sagte er im staatlichen Radio.

Krankenhäuser baten die Bevölkerung dringend um Blutspenden. Wie Tausende weitere Menschen folgte auch der somalische Präsident dem Aufruf.

In Somalia und vor allem in Mogadischu kommt es immer wieder zu Anschlägen durch die Extremistengruppe Al-Shabaab ("die jungen Leute"). Die mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida in Verbindung stehenden militanten Sunniten wollen in dem Land am Horn von Afrika einen sogenannten Gottesstaat mit strikter Auslegung des islamischen Rechts errichten. Sie kontrollieren einige ländliche Regionen.

Seit dem Sturz des Machthabers Siad Barre 1991 gibt es in Somalia keine funktionierende Zentralregierung. Eine 22.000 Mann starke Truppe der Afrikanischen Union (AU) unterstützt die somalischen Streitkräfte im Kampf gegen Al-Shabaab. Im Jahr 2011 haben sie die Islamisten aus Mogadischu vertrieben. Seitdem verübt die Miliz vermehrt Selbstmordattentate, oft in oder vor Hotels, Cafés und Restaurants, die bei Ausländern und wohlhabenderen Somaliern beliebt sind. 

Der seit Februar amtierende Präsident Mohamed Abdullahi Mohamed erklärte der Al-Shabaab-Miliz Anfang April den Krieg. Außerdem tauschte Abdullahi Mohamed die Chefs von Armee, Polizei und Geheimdiensten aus. Er forderte die Bevölkerung dazu auf, die Armee im Kampf gegen die Islamisten zu unterstützen.

Das US-Militär hat seine Drohnenangriffe gegen die Al-Shabaab-Miliz im Frühjahr verstärkt. Zudem soll ein Dutzend US-amerikanischer Soldaten vor Ort somalische Soldaten ausbilden.

Somalia - Zahl der Toten steigt weiter Nach der Explosion von zwei Autobomben in Mogadischu steigt die Zahl der Toten auf mehr als 260. Weitere Menschen werden vermisst. © Foto: Feisal Omar/Reuters