Im Sturmtief Xavier sind in Deutschland sieben Menschen ums Leben gekommen. In Hamburg fiel nach Angaben der Feuerwehr ein Baum auf das Auto einer Frau. Auch in Berlin fand die Feuerwehr eine tote Frau und eine weitere Schwerverletzte in einem Auto. In Neu-Karstädt in Mecklenburg-Vorpommern wurde ein Lastwagenfahrer an einer Bundesstraße von einem umstürzenden Baum erschlagen. In Brandenburg starben vier Menschen: Unter anderem durch einen Ast, der bei Gransee im Landkreis Oberhavel nach Polizeiangaben in eine Windschutzscheibe flog. In derselben Region wurde auch eine Frau in einem Auto von einem Baum erschlagen. Ein 72-Jähriger starb in an der B1 zwischen Müncheberg und Hoppegarten – er wurde von einem Baum erschlagen, als er Äste von der Straße entfernen wollte, wie die Polizei in Potsdam mitteilte.

In Hamburg wurden im Laufe des Nachmittags mindestens zehn weitere Menschen verletzt. Über Stunden waren die Bewohner der Hansestadt aufgefordert, ihre Häuser nicht zu verlassen. Ein Sprecher sagte, die Feuerwehr sei wegen mehrerer eingeklemmter Personen und umgestürzter Bäume zu bislang 800 Einsätzen gerufen worden.  

Der Deutsche Wetterdienste hatte in Teilen von Nord- und Ostdeutschlands vor Orkanböen gewarnt. Die Experten empfahlen, den Aufenthalt im Freien zu vermeiden und warnten vor entwurzelten Bäumen, herabstürzenden Dachziegeln und Schäden an Gerüsten und Hochspannungsleitungen. Am Abend hob der Wetterdienst die Warnung auf. Nur im Gebirge und an den Küsten seien noch Sturmböen zu erwarten, mit orkanartigen Böen werde nicht mehr gerechnet.

Kein Zugverkehr in Berlin

Die Bahn stellte in der Folge unter anderem den Zugverkehr in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Bremen und Teilen Mecklenburg-Vorpommerns auf ein. Auch die Fernverkehrsstrecken Berlin–Hannover und Berlin–Hamburg wurden unterbrochen. Nach Angaben eines Sprechers sollte vermieden werden, dass Züge auf offener Strecke liegenbleiben. Ursache waren auf die Gleise oder in die Oberleitungen gewehte Bäume.

In mehreren Bahnhöfen Deutschlands strandeten Hunderte Menschen. Besonders viele schienen es beispielsweise im Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe zu sein, weil Schnellzüge aus dem Süden in Richtung Norden dort gestoppt wurden.

Die Bahn habe in Kassel Hotelzüge bereitgestellt für rund 1.000 Menschen. Die Gestrandeten bekämen Kaffee, Tee und Getränke. Anderes Beispiel: Etwa 400 Fahrgäste eines Zugs von Amsterdam nach Berlin strandeten in Bad Bentheim in Niedersachsen an der Grenze zu den Niederlanden. Feuerwehr und Rotes Kreuz brachten die Bahnreisenden in die Sporthalle eines Gymnasiums, die zu einer Notunterkunft umfunktioniert wurde, wie der Kreisbrandmeister sagte. 

Einschränkungen im Bahn- und Flugverkehr

Nach Angaben der Wasserschutzpolizei Oldenburg stürzte ein 1.000 Tonnen schwerer Entladekran in Wilhelmshaven von einer Brücke in die Jade. Orkanböen der Stärke zwölf hätten den auf Schienen laufenden Kran am Mittag angehoben, gedreht und umgekippt, sagte ein Sprecher der Wasserschutzpolizei. Während der obere Teil des Krans teilweise versank, landete der untere Teil auf der Niedersachsenbrücke. Es sei erheblicher Sachschaden entstanden. 

In Berlin wurden im Laufe des Abends Sturmböen mit Windgeschwindigkeiten um 85 Stundenkilometer sowie schwere Sturmböen zwischen 90 und 100 Stundenkilometern gemessen. Am Nachmittag ruhte der S-Bahn-Verkehr komplett. Auch Busse und U-Bahnen, die teilweise oberirdisch verkehren, fuhren für mehrere Stunden nicht mehr. Aus Sicherheitsgründen, wie die Berliner Verkehrsgesellschaft mitteilte. 

Berliner Feuerwehr ruft Ausnahmezustand aus

Die Feuerwehr rief am Nachmittag den Ausnahmezustand aus. Das macht die Feuerwehr immer dann, wenn die Behörde mit den eingehenden Notrufen nicht mehr hinterherkommt. Auch Helfer der freiwilligen Feuerwehr wurden zur Unterstützung angefordert. Laut einem Sprecher sollen rund 400 Kräfte aushelfen.

Am Nachmittag waren innerhalb einer halben Stunde rund 50 Notrufe bei der Berliner Feuerwehr eingegangen. An den Berliner Flughäfen Schönefeld und Tegel wurde vorübergehend die Abfertigung eingestellt. Passagiere in gelandeten Maschinen mussten aus Sicherheitsgründen vorerst in den Flugzeugen bleiben, wie ein Flughafensprecher sagte. Zum Abflug vorgesehene Maschinen wurden an beiden Airports zeitweise nicht beladen.

Auch in Hannover und anderen Städten Niedersachsens rückten die Einsatzkräfte wegen verunglückter Autofahrer, umgestürzter Bäume und abgerissener Dachverkleidungen aus. In Sachsen-Anhalt stürzten Bäume in Stromleitungen. Im Norden des Bundeslandes waren Tausende Haushalte ohne Strom. Besonders betroffen war die Altmark, wie eine Sprecherin des Netzbetreibers Avacon sagte.

Sturm Xavier - Aufräumarbeiten dauern an Mit 115 Kilometer fegte Sturmtief Xavier über den Norden und Osten Deutschlands. Das Sturmtief hat vielerorts für Zerstörungen gesorgt und den Verkehr lahmgelegt. Sechs Menschen starben. © Foto: Silas Stein/dpa