Kriege und die Folgen des Klimawandels haben die Fortschritte der vergangenen Jahre im Kampf gegen den Hunger teilweise wieder zunichte gemacht. Das zeigt der diesjährige Welthunger-Index, der die Ernährungssituation in 119 Staaten beleuchtet. "Konflikte und Klimawandel treffen die Ärmsten der Armen am stärksten – all unsere bisherigen Erfolge werden dadurch gefährdet", sagte die Präsidentin der Welthungerhilfe, Bärbel Dieckmann.

Den Welthunger-Index ermitteln Experten vom International Food Policy Research Institute (IFPRI) in Washington. Seit 2006 wird der Index jährlich vom IFPRI, der Welthungerhilfe mit Sitz in Bonn, sowie der irischen Organisation Concern Worldwide veröffentlicht. Die auf Basis von Datenmaterial der Vereinten Nationen erstellte Rangliste soll Auskunft geben über den Anteil an Unterernährten, an Auszehrung und Wachstumsverzögerungen bei Kindern unter fünf Jahren sowie über deren Sterblichkeitsrate.

Zwei Staaten mehr gelten als akut bedroht

Der aktuelle Index erfasst 119 Staaten; einige einkommensstarke Länder wie Deutschland blieben außen vor, eine unzureichende Datenlage gab es unter anderem in Krisenregionen wie dem Kongo, Südsudan oder Syrien. Diese Staaten fanden daher ebenfalls keine Aufnahme in die Rangliste. Insgesamt 14 Ländern bescheinigt der Bericht eine Verringerung ihres Index-Wertes um 50 Prozent oder mehr im Vergleich zum Jahr 2000. Dazu gehören etwa Brasilien und Peru, Senegal und China. Weitere 72 Länder verbesserten sich um 25 bis 49,9 Prozent.

In 51 Ländern bleibt die Lage "ernst" oder "sehr ernst", in einem weiteren Fall, der Zentralafrikanischen Republik, ist sie sogar "gravierend". Damit sind zwei Staaten mehr als im Vorjahr akut von Mangelernährung betroffen. Am Ende des diesjährigen Rankings finden sich neben der Zentralafrikanischen Republik mit dem Tschad, Sierra Leone, Madagaskar und Sambia vier weitere Länder in Afrika. Es folgen der vom Krieg gezeichnete Jemen sowie der Sudan und Liberia.

Verantwortung tragen auch Agrar-Multis

Insgesamt fiel der globale Indexwert, der die Verbreitung des Hungers erfasst, im Vergleich zum Jahr 2000 um 27 Prozent; im Vorjahr waren es 29 Prozent. Die Zahlen des Index' decken sich mit denen der Welternährungsorganisation (Fao). Demnach hatten 2016 rund 815 Millionen Menschen nicht genug zu essen – 38 Millionen mehr als 2015. Der Fao zufolge nahm dieser Wert nach gut einem Jahrzehnt des Rückgangs erstmals wieder zu. Als Gründe für eine schlechte Ernährungslage verweist der Bericht neben den Auswirkungen von bewaffneten Konflikten und Naturkatastrophen auch auf die Aktivitäten von multinationalen Agrar- und Nahrungsunternehmen.