Eine Radiomoderatorin in Los Angeles hat dem demokratischen US-Senator Al Franken vorgeworfen, sie bei einer gemeinsamen Tournee im Jahr 2006 sexuell belästigt zu haben. Franken habe sie bei Proben für einen gemeinsamen Sketch gegen ihren Willen geküsst, schreibt Leeann Tweeden in einem Beitrag auf der Webseite des kalifornischen Radiosenders KABC. Später habe er ihre Brüste berührt, während sie schlief und ein Foto davon verbreitet. 

"Sie haben das Drehbuch geschrieben, Senator Franken. Aber an sexuellen Übergriffen ist nichts lustig", schreibt Tweeden. "Sie haben die Szene geschrieben, die beinhaltete, dass Sie mich küssten, und bedrängten mich unerbittlich, den Kuss mit Ihnen hinter der Bühne zu 'proben', als wir allein waren. Sie wussten genau, was sie taten."

Franken entschuldigte sich für sein Verhalten. "Ich erinnere mich an die Probe für den Sketch sicherlich nicht in dieser Weise. Aber ich sende meine tiefste Entschuldigung an Leeanne", teilte der Senator mit. "Es sollte witzig sein, aber das war es nicht. Ich hätte das nicht tun sollen." Franken, der als Komiker und Journalist bekannt wurde, sitzt seit 2008 im US-Senat. 2006 war er mit Tweeden zusammen vor US-Soldaten in Afghanistan aufgetreten.

Der republikanische Senats-Mehrheitsführer Mitch McConnell forderte eine Untersuchung der Vorwürfe durch den Ethikausschuss des Senats. "Unabhängig davon, welche Partei betroffen ist, sind Belästigung und Übergriffe vollkommen inakzeptabel – egal ob am Arbeitsplatz oder anderswo", sagte McConnell.

Nach den Enthüllungen über den Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein sind zahlreiche weitere Vorwürfe der sexuellen Belästigung öffentlich gemacht worden. In der US-Politik wird unter anderem dem Senatskandidaten für die Republikaner in Alabama, Roy Moore, vorgeworfen, früher minderjährige Mädchen belästigt zu haben. Der Sprecher des Repräsentantenhauses, Paul Ryan, kündigte an, dass alle Abgeordneten und Mitarbeiter des US-Repräsentantenhauses künftig an Schulungen zur Prävention von sexueller Belästigung teilnehmen sollten.