Nach dem schweren Erdbeben in der nordöstlichen Grenzregion zwischen dem Irak und dem Iran haben die iranischen Rettungskräfte ihren Einsatz eingestellt. Die Wahrscheinlichkeit, noch Überlebende zu finden, sei sehr gering, meldete das iranische Staatsfernsehen. Irans Präsident Hassan Ruhani versprach schnelle Hilfe für die betroffene iranische Provinz Kermanschah. "Wir werden alles tun, damit die Menschen hier diese Tragödie schneller vergessen können", sagte er nach seiner Ankunft im Katastrophengebiet.

Seine Regierung werde alles tun, damit die vom Beben betroffenen Städte rasch wieder aufgebaut werden können. "Unser Fokus sind Wohnkomplexe, da müssen wir den Menschen bei dem Aufbau besonders zur Seite stehen", sagte Ruhani, der sich an Ort und Stelle ein Bild machen wollte. Die Regierung erklärte den Dienstag zum staatlichen Trauertag.

Laut jüngsten offiziellen Angaben kamen nach dem Erdstoß der Stärke 7,3 in der Grenzregion zwischen dem Iran und dem Irak 432 Menschen ums Leben. Außerdem wurden fast 7.900 verletzt. Der Mittelpunkt des Bebens lag in etwa 34 Kilometern Tiefe in der westiranischen Provinz Kermanschah.

Die weitaus meisten Menschen starben auf der iranischen Seite der Grenze. Am schlimmsten traf es die beiden Grenzstädte Sare Pole Sahab und Ghassre Schirin. Trotz der Kälte verbrachten viele Menschen in der Provinz die Nacht angesichts von mehr als 200 Nachbeben im Freien.

In Sare Pole Sahab haben viele Stadtteile immer noch keinen Strom, kein Gas und kein Wasser. Außerdem sollen die Temperaturen in der Nacht unter den Gefrierpunkt fallen. Aber noch haben viele kein Zelt. Nach Ansicht vieler Einwohner wurden die Zelte in den Erdbebengebieten nicht gerecht verteilt. Sowohl die Menschen als auch die Behörden in Kermanschah sind offenkundig nicht zufrieden mit der Hilfe aus Teheran, hoffen jedoch, dass sich das nach Ruhanis Besuch ändert.

Iran lehnt internationale Hilfe dankend ab

Trotz der Unzufriedenheit schlug die Regierung Hilfsangebote aus dem Ausland zunächst aus. "Wir bedanken uns für die internationale Anteilnahme und Hilfsangebote, aber wir haben es vorläufig im Griff", twitterte Außenminister Mohammed Dschawad Sarif. Er werde seine Kollegen bei Bedarf in Kenntnis setzen. Außer einigen arabischen Staaten, die mit dem Iran politische Differenzen haben, hatte die internationale Gemeinschaft, auch Irans Erzfeinde USA und Israel, dem iranischen Volk ihr Beileid ausgesprochen.

Insgesamt beschädigte das Beben nach offiziellen Angaben 27.000 Wohnkomplexe. 12.000 davon seien komplett zerstört, 15.000 seien nicht mehr zu bewohnen. Zu diesen Siedlungen gehören auch die, die Ex-Präsident Mahmud Ahmadinedschad in der Provinz hatte bauen lassen. Die meisten der Gebäude, die der Hardliner stolz "Haus der Nächstenliebe" nannte, sind nicht mehr bewohnbar. "Das ist schon sehr peinlich", sagte Ruhani ironisch über das Projekt seines Vorgängers und politischen Rivalen. Einige Einwohner sagen, Baustandards seien ignoriert worden.