Insgesamt 133.080 Personen haben im vergangenen Jahr durch den Partner oder Ex-Partner Gewalt erfahren und diese bei der Polizei angezeigt. Knapp 82 Prozent der Opfer versuchter und vollendeter Delikte wie Mord und Totschlag, Körperverletzungen, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Bedrohung und Stalking waren Frauen, wie das Bundeskriminalamt mitteilte. Die Zahl der Opfer partnerschaftlicher Gewalt ist damit im Vorjahresvergleich um 4,4 Prozent gestiegen – ein Trend, der seit 2012 anhält.

Die Hälfte der Frauen lebte in einem gemeinsamen Haushalt mit dem Täter. Unter den Delikten, die polizeilich erfasst wurden, waren demnach 69.700 vorsätzliche einfache Körperverletzungen, 16.700 Bedrohungen, 11.900 gefährliche Körperverletzungen, rund 7.600 Stalkingfälle und 357 Fälle von Mord und Totschlag.

Bundesfamilienministerin Katarina Barley (SPD) äußerte sich schockiert angesichts der Statistik: "Die Zahlen sind erschreckend – insbesondere mit Blick auf die vermutete Dunkelziffer." Dem Schutz vor Gewalt sei höchste Priorität einzuräumen. Vorhandene Hilfestrukturen wie Frauenhäuser und Beratungsangebote müssten gestärkt werden.

Zeichen, dass mehr Opfer Hilfe bei der Polizei suchten

Die ansteigenden Zahlen der bekannt gewordenen Delikte wertete Barley aber auch als Zeichen dafür, dass mehr Opfer Hilfe bei der Polizei suchten und erlittene Gewalttaten zur Anzeige brächten. Zudem wurden im vergangenen Jahr das Sexualstrafrecht geändert und der Schutz von Stalkingopfern verbessert – was ebenfalls zu mehr Anzeigen geführt haben könnte.

Auch auf internationaler Ebene hofft die UN-Frauenorganisation, dass noch viel mehr Frauen mit ihren Vorwürfen an die Öffentlichkeit gehen. Die jüngst bekannt gewordenen Fälle von sexueller Belästigung unter anderem in Hollywood und der US-Medienbranche seien nur der Anfang. "Wir sind wahrscheinlich noch nicht an dem Punkt, an dem genügend Menschen die starke Überzeugung teilen, dass dies zutiefst traumatisierend ist und bei vielen Frauen einen Schmerz auslöst, der nie endet", sagte die Chefin von UN Women, Phumzile Mlambo-Ngcuka. Auch Frauen, die nicht Schauspielerinnen in Hollywood seien, müssten ihr Schicksal öffentlich machen, sodass die Täter die Konsequenzen tragen müssten, sagte Mlambo-Ngcuka.   

Sexuelle Belästigung ist ein Schwerpunktthema einer 16-tägigen Aktion, die am Samstag beginnt, dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen. Es gibt keine globale Statistik zu sexueller Belästigung. UN Women beruft sich aber auf EU-Zahlen, wonach 45 bis 55 Prozent der Frauen in der Europäischen Union über 15 Jahre sexuell belästigt wurden.