In Brandenburg ist ein 21-Jähriger wegen eines Brandanschlags auf eine Unterkunft minderjähriger Flüchtlinge zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren nach Jugendstrafrecht sowie 200 Sozialstunden in einer Einrichtung für Geflüchtete verurteilt worden. Er hatte im Oktober 2016 zwei selbstgebaute Molotowcocktails auf das Heim in Jüterbog geworfen. Zu der Zeit lebten dort 20 Jugendliche im Alter zwischen 14 bis 20 Jahren. Zwei Betreuer bemerkten das Feuer und konnten es rechtzeitig löschen. Verletzt wurde niemand.

Die Anklage lautete auf versuchten Mord, versuchte schwere Brandstiftung und Sachbeschädigung. Die Staatsanwaltschaft hatte viereinhalb Jahre Haft gefordert. Das Gericht zeigte sich überzeugt, dass der Vater den jungen Mann zu der Tat angestiftete habe. Auch die Molotowcocktails habe der Vater gebaut. Außerdem sei ein weiterer 19-jähriger Jugendlicher beteiligt gewesen.

Nach Angaben des Fernsehsenders rbb ist der Vater ein überzeugter Rechtsextremist. Am Tag der Tat soll er den Sohn Benzin kaufen geschickt haben, dann hätten die drei an einem Lagerfeuer beschlossen, die Unterkunft "abzufackeln".  Vor Gericht nahm der Sohn die Schuld für die Tat vollständig auf sich, damit sein Vater stolz auf ihn sei, vermutete der Richter. Der Vater sitzt noch in Untersuchungshaft. Gegen ihn und den zweiten Jugendlichen werden gesonderte Verfahren geführt.

Die Urteilsverkündung fiel zufällig auf den 25. Jahrestag der Brandanschläge von Mölln: einem der ersten rassistisch motivierten Morde in Nachkriegsdeutschland. Dort hatten 1992 Neonazis Molotowcocktails auf das Haus der Familie Arslan geworfen. In den Flammen starben die 10-jährige Yeliz Arslan, ihre 14-jährige Cousine Ayse Yilmaz und die 51 Jahre alte Großmutter Bahide Arslan.

In Deutschland wird im Durchschnitt noch immer fast jeden Tag ein Anschlag auf eine Asylbewerberunterkunft verübt. Das teilte das Bundeskriminalamt (BKA) Anfang November der Neuen Osnabrücker Zeitung mit. In den ersten neun Monaten dieses Jahres waren Unterkünfte für Geflüchtete demnach 211 Mal Ziel von Anschlägen. Die Tendenz ist allerdings rückläufig: in den ersten neun Monaten des Jahres 2016 waren es mit 866 Angriffen noch mehr als viermal so viele. Insgesamt zählte die Polizei im letzten Jahr 12.503 rechte Delikte