In Myanmar ist es nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) zu systematischen Vergewaltigungen der verfolgten Rohingya-Minderheit durch Soldaten gekommen. Der UN-Sondergesandten für sexuelle Gewalt in Konflikten, Pramila Patten, zufolge sei die sexuelle Gewalt im Norden Myanmars durch die Armee "befohlen, orchestriert und verübt" worden.

Patten beruft sich dabei auf übereinstimmende Berichte Überlebender, laut denen es zu "Gruppenvergewaltigungen durch viele Soldaten und erzwungener Nacktheit in der Öffentlichkeit" gekommen ist. Zudem seien viele Frauen in Armeegefangenschaft sexuell versklavt worden. An der sexuellen Gewalt sollen UN-Angaben zufolge auch myanmarische Grenzpolizisten und regierungstreue Milizen beteiligt sein. Bei den Vergewaltigungen handele es sich um Verbrechen gegen die Menschlichkeit, sagte die UN-Sondergesandte in Dhaka, der Hauptstadt des benachbarten Bangladesch.

Im bengalischen Distrikt Cox's Bazar suchten allein in den vergangenen zehn Wochen mehr als 600.000 Rohingya Zuflucht. Dort berichten zahlreiche Überlebende von Vergewaltigungen und Massenvergewaltigungen, sagte Patten weiter. Viele der betroffenen Frauen und Mädchen seien an den Folgen der Vergewaltigung gestorben. Laut den Vereinten Nationen seien die Opfer wegen ihrer Ethnie und Religion "zur Zielscheibe geworden". Die sexuelle Gewalt im Zuge der "kollektiven Verfolgung" sei einer der Hauptgründe für die Massenflucht der Rohingya.

Die Rohingya werden in Myanmar seit Jahrzehnten diskriminiert und verfolgt. Obwohl sie dort schon lange Zeit leben, wird ihnen unter anderem die Staatsbürgerschaft verweigert. Der Konflikt zwischen der mehrheitlich buddhistischen Bevölkerung und der muslimischen Minderheit war Ende August eskaliert, als Rohingya-Rebellen Soldaten und Polizisten angriffen und Dutzende Sicherheitskräfte töteten. Das Militär reagierte mit Gegengewalt. Hunderte Menschen wurden getötet, ihre Häuser niedergebrannt. Die UN stufte das Vorgehen der Armee gegen die Rohingya als ethnische Säuberungen ein.