Der Polizeipräsident würde die Aufregung gern aus der Welt schaffen: "Niemand, der diese Gerüchte streut, kann irgendetwas belegen", sagte Klaus Kandt. Er und seine Stellvertreterin Margarete Koppers mussten diese Woche dem Innenausschuss des Berliner Parlaments Rede und Antwort stehen, weil ein Sanitäter, der Polizeischüler in Erster Hilfe unterrichtet hatte, seinem Ärger über deren Disziplinlosigkeit per Sprachnachricht Luft gemacht hatte: "Die Hälfte Araber und Türken, frech wie Sau. Dumm." Kurz darauf tauchte ein anonymer Brief auf, in dem "ein besorgter Polizeibeamter" behauptete, die Polizei werde von kriminellen arabischen Großfamilien unterwandert.

"Es gibt keine Angehörigen arabischer Großfamilien in der Polizeiausbildung oder in der Behörde, das haben wir überprüft", sagte Koppers im Innenausschuss. Der stellvertretende Leiter der Polizeiakademie, Boris Meckelburg, teilte mit, dass sich auch die Gerüchte über Polizeischüler mit Migrationshintergrund als falsch herausgestellt hätten: Die angebliche Schlägerei in der Kantine, der Vorwurf, muslimische Auszubildende hätten nicht am Schwimmunterricht teilnehmen wollen. Auch das Gerücht, Ausbilder hätten Angst vor einigen Schülern, sei falsch, sagt Meckelburg. Probleme mit der Disziplin aber gebe es – wie an jeder anderen Schule in Deutschland auch. Und Koppers ergänzt, dass man sich bei Problemen jederzeit an sie wenden könne.

Also alles gut in Berlins Polizeiausbildung? "Blödsinn", sagt ein langjähriger Ausbilder. Dass es eine offene Fehlerkultur gebe, sei schlichtweg gelogen. Auch er will anonym bleiben, fürchtet Konsequenzen, wenn er über die Probleme der Ausbildung spricht. Das größte aus seiner Sicht: Das Niveau einiger Auszubildender an der Polizeiakademie werde immer schlechter.

Es reicht ein Hauptschulabschluss

Das hat allerdings nichts mit dem Anteil an Migranten in den Klassen zu tun. Die Polizei Berlin bildet von Jahr zu Jahr mehr Nachwuchs aus. Den braucht sie dringend, um die Polizisten zu ersetzen, die in Rente gehen. Dieses Jahr begannen etwas mehr als 600 Männer und Frauen ihre Ausbildung im Mittleren Dienst. Sie werden später Streife fahren oder in der Bereitschaftspolizei Demonstrationen begleiten. Vor fünf Jahren waren es nur gut 400 Auszubildende, vor zehn Jahren 200, bis 2006 gab es sogar einen Ausbildungsstopp.

Die Stellenanzahl steigt zwar, die der Bewerber aber nicht. Im Sommer musste zweimal die Bewerbungsfrist verlängert werden. Der Effekt: Ein Bewerber, der vor einigen Jahren mit mittelmäßigen Ergebnissen im Einstellungstest zu weit unten auf der Rangliste stand, um einen Ausbildungsplatz zu bekommen, würde heute bei gleichen Leistungen genommen werden – nur weil es mehr Plätze gibt, die besetzt werden müssen.

Um den Einstellungstest für die Polizei machen zu dürfen, müssen die Bewerber einen erweiterten Hauptschulabschluss haben. Note: egal. Mit diesem Abschluss kann man sich sonst zum Beispiel für eine Ausbildung im Einzelhandel bewerben. Doch Polizisten ziehen keine Ware über das Kassenband. Sie dürfen in die Grundrechte der Bürger eingreifen, notfalls mit Gewalt. Dafür müssen sie integre Beamte sein. Das sicherzustellen, werde jedoch immer schwieriger, sagt der Ausbilder.

Vergangenes Jahr wurde die Polizeischule umstrukturiert. Dem Ausbilder zufolge führte das dazu, dass die Kollegen ihre Schüler nicht mehr so sehr im Blick und damit unter Kontrolle hätten. Die Polizeiakademie, wie sie jetzt heißt, gleicht nun eher einer Berufsschule. Früher mussten die Schüler morgens und nachmittags vor dem Ausbildungspersonal zum Durchzählen antreten, und sahen ihn jeden Tag im praktischen Teil der Ausbildung. Heute gibt es stattdessen Klassenlehrer. "Das Militärische sollte weg", sagt der Ausbilder. Dabei habe das den Teamgeist geprägt.