Die Belästigungsvorwürfe gegen Prominente mehren sich und erreichen nun den Fußball. Im Fokus steht dabei Ex-Fifa-Chef Sepp Blatter. "Blatter griff mir an den Hintern", sagte die ehemalige US-Nationalspielerin Hope Solo in einem Interview mit der portugiesischen Zeitung Expresso. Der Vorfall habe sich bei der Ballon-d'Or-Gala 2013 in Zürich ereignet, bevor sie mit Blatter auf die Bühne gegangen sei, um den Preis an die damalige Fußballspielerin des Jahres, Abby Wambach, zu übergeben.

Sie habe im Nachgang keine Möglichkeit gehabt, Blatter direkt zu konfrontieren, sonst hätte sie dies getan, sagte Solo. Im Gespräch mit dem britischen Guardian sagte sie über den Vorfall: "Ich war geschockt und völlig neben mir." Sie habe sich erst einmal sammeln müssen, um dann ihre Rede halten zu können.

Der heute 81-jährige Blatter wies die Vorwürfe über seinen Sprecher zurück. "Diese Behauptung ist lächerlich", ließ er auf Anfrage des Guardian ausrichten. 

Blatter hatte fünfmal die Wahl zum Fifa-Präsidenten gewonnen. In seinen Amtsjahren musste er sich auch der öffentlichen Kritik des Sexismus stellen. Etwa 2004 für seinen Vorschlag, Profifußballerinnen könnten auch "in kürzeren Shorts" spielen. 2015 war Blatter im Zuge der Korruptionsvorwürfe gegen den Fußballverband überraschend zurückgetreten.

Die 202-malige Nationalspielerin Hope Solo hatte 2016 ihre Karriere beendet. Zuvor war sie nach den Olympischen Spielen in Rio vom US-Fußballverband suspendiert worden, nachdem sie das schwedische Konkurrenzteam als "eine Truppe von Feiglingen" beschrieben hatte. Im Jahr 2014 wurde die Torhüterin selbst des Vorwurfs von häuslicher Gewalt gegenüber zwei Verwandten beschuldigt. Das juristische Verfahren wurde jedoch eingestellt. 

Solo hatte sich bereits Mitte Oktober bei Instagram zu dem Thema sexueller Belästigung in Hollywood geäußert. Aus Twitter hatte sie ihren Respekt für die "mutigen Frauen in Hollywood" bekundet.

Dort hatten in den vergangenen Wochen viele Anschuldigungen der sexuellen Belästigung für Aufsehen gesorgt: Angefangen hatte es mit Produzent Harvey Weinstein, der über drei Jahrzehnte hinweg dutzende Frauen sexuell belästigt haben soll. Seit Bekanntwerden des Falls Anfang Oktober wurden aber auch Missbrauchsvorwürfe gegen zahlreiche weitere Mitarbeiter der US-Filmindustrie bekannt, darunter Oscar-Preisträger Kevin Spacey, Produzent Brett Ratner, Regisseur James Toback, Schauspieler Steven Seagal und Komiker Louis C.K.