Donald Trump ist gewöhnlich nicht zimperlich, wenn es darum geht, aus tragischen Ereignissen politisches Kapital zu schlagen. So nutzte er den Terroranschlag in New York in dieser Woche umgehend dazu, per Twitter das Ende jenes Visaprogrammes zu fordern, das den Attentäter Sayfullo S. ins Land gebracht hatte.

Wenn es sich um Attacken handelt wie jene am vergangenen Sonntag im texanischen Dorf Sutherland Springs, bei der 26 Kirchgänger getötet wurden, dann übt sich der Präsident in Pietät. So hielt er sich an seine eigene, nach dem Massaker in Las Vegas ausgegebene Parole, die Politik vorerst außen vor zu lassen: "Möge Gott den Menschen von Sutherland Springs beistehen", war alles, was er zu sagen hatte. Dann entsandte er noch routinemäßig seine "Gedanken und Gebete".

Andere Politiker aus Washington reagierten beherzter. So sagte der demokratische Senator Al Franken: "Wir müssen die moralische Courage aufbringen, diesen sinnlosen Taten entgegenzutreten." Sein Kollege Bob Casey drückte sich noch drastischer aus: "Dieser Schütze hat seine Waffe gegen Kinder gerichtet – in einem Gotteshaus. Amerika ist in einer tiefen Krise der Waffengewalt. Der Kongress muss handeln."

Texas - 26 Tote bei Schießerei in Texas In einer Baptistenkirche im texanischen Sutherland Springs hat ein Mann mindestens 26 Menschen getötet und weitere verletzt. Nach dem Vorfall werden erneut Forderungen nach strengeren Waffengesetzen in den USA laut. © Foto: Nick Wagner/AMERICAN-STATESMAN via REUTERS

Stärkere Regulierung gefordert

Solche Rufe nach einer strengeren Waffengesetzgebung auf nationaler Ebene sind freilich nicht neu. Gleich, ob es Sandy Hook in Connecticut vor fünf Jahren war, wo 20 Kinder in einer Grundschule starben, ob es der Nachtclub Pulse in Orlando war, wo im vergangenen Jahr 49 Menschen getötet wurden, oder zuletzt Las Vegas: Jedes Massaker löst Rufe nach einer stärkeren Regulierung des Verkaufs von Schusswaffen aus, die in den USA so weit verbreitet sind wie in keiner anderen westlichen Industrienation.

Nach den kurz aufeinander folgenden Attentaten von Las Vegas und Sutherland Springs haben die verzweifelten Appelle an Washington eine neue Stufe erreicht. Die Befürworter härterer Waffengesetze halten nach den Angriffen keine Pietätsfrist mehr ein – wohl wissend, dass unmittelbar nach einer erneuten Katastrophe genau der beste Zeitpunkt ist, die Krise der Waffengewalt anzusprechen. Oder, wie es ein Demonstrant bei einer Kundgebung für härtere Gesetze in Las Vegas unmittelbar nach der dortigen Tragödie ausdrückte: "Man sorgt sich nicht an einem sonnigen Tag um ein leckendes Dach. Man sorgt sich darum, wenn der Monsun kommt. Wir haben derzeit einen Monsun der Waffengewalt."

Tatsächlich verbreitet sich das Bewusstsein für das Ausmaß der Krise seit Las Vegas in immer weiteren Teilen der amerikanischen Bevölkerung. Mittlerweile wollen 64 Prozent der Amerikaner, dass der Kongress handelt. 2012, nach Sandy Hook, waren es noch 46 Prozent. 29 Prozent der Bevölkerung sind laut einer Umfrage des Magazins Politico noch immer gegen schärfere Gesetze, doch die Zahl ist seit Juni 2016 um vier Punkte gesunken.