Ein Istanbuler Gericht hat den Onlinechef der regierungskritischen Zeitung Cumhuriyet wegen "Terrorpropaganda" zu drei Jahren und einem Monat Haft verurteilt. Wie die Zeitung berichtet, wurde Oğuz Güven für schuldig befunden, für die verbotene Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen "Terrorpropaganda" betrieben zu haben. Zudem soll er die Methoden der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) "legitimiert" haben.

Die Gülen-Bewegung wird in der Türkei für den gescheiterten Militärputsch von Juli 2016 verantwortlich gemacht. Ebenso wie die PKK ist sie als Terrororganisation gelistet. Güven war im April wegen einer Meldung zum Unfalltod eines Staatsanwalts festgenommen worden, der nach dem Putschversuch das Vorgehen gegen mutmaßliche Gülen-Mitglieder geleitet hatte.

In Istanbul müssen sich derzeit mehrere Mitarbeiter von Cumhuriyet für Vorwürfe der "Propaganda" und der "Unterstützung von Terrororganisationen" verantworten. Unter ihnen sind der Herausgeber, der Chefredakteur, ein Investigativreporter und mehrere Kolumnisten der Zeitung.

Die traditionsreiche Cumhuriyet, die zu den größten Kritikern der Regierung von gehört, weist die Vorwürfe als absurd zurück und beschuldigt die Justiz, eine der letzten unabhängigen Stimmen des Landes zum Schweigen bringen zu wollen. In der Türkei sitzen derzeit laut der Plattform für Pressefreiheit P24 insgesamt 155 Journalisten im Gefängnis.