Die Zahl der Klagen gegen Asylbescheide in Deutschland ist stark gestiegen. Zwischen dem 30. Juni 2016 und demselben Stichtag in diesem Jahr verzeichneten deutsche Gerichte mehr als 320.000 Verfahren, im Vorjahreszeitraum waren es weniger als 69.000. Das berichtet die Neue Osnabrücker Zeitung und bezieht sich auf eine Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Linkspartei. Die Zahl der Klagen hat sich damit beinahe verfünffacht.

Erich Müller-Fritzsche, Mitglied im Vorstand beim Bund Deutscher Verwaltungsrichter, nannte die Zunahme der Asylklagen gegenüber der Zeitung dramatisch. Die Verwaltungsgerichte seien so stark belastet, "dass sich die Arbeit mit dem gegenwärtigen Personal nicht zeitnah bewältigen lässt", sagte Müller-Fritzsche. Zwar habe die Politik angekündigt, personell aufzustocken, er bezweifle jedoch, dass das Maß ausreichen werde, erklärte Müller-Fritzsche.

Die Politikerin Ulla Jelpke von der Linken kritisierte, dass die Gerichte die Asylpolitik der Bundesregierung ausbaden müssten. "Die Abschreckungspolitik der Bundesregierung steigert die Bürokratie in Behörden und Gerichten", äußerte sich Jelpke in der Neuen Osnabrücker Zeitung. Den betroffenen Flüchtlingen werde hingegen der Schutz versagt, den sie für eine gute Integration dringend benötigten, sagte die Abgeordnete.