Nach der Mahnmal-Aktion gegen den AfD-Politiker Björn Höcke in dessen Thüringer Wohnort Bornhagen ermittelt die Staatsanwaltschaft Mühlhausen gegen das Künstlerkollektiv Zentrum für politische Schönheit (ZPS). Es bestehe der Anfangsverdacht auf versuchte Nötigung, sagte ein Sprecher der Behörde. Eine entsprechende Strafanzeige liege vor – von Höcke stamme sie aber nicht. Es gehe um die ZPS-Aufforderung an den Politiker, vor dem Holocaust-Denkmal in Berlin oder vor dem Nachbau auf einem Nachbargrundstück Höckes auf Knien um Vergebung für die deutschen Verbrechen des Zweiten Weltkriegs zu bitten – andernfalls würden in der Vergangenheit über Höcke gesammelte Informationen veröffentlicht.

Auf Twitter kommentierte das ZPS die Ermittlungen nur knapp. "Heute gibt es die Meldung, dass gegen uns ermittelt wird. Stellungnahmen von uns unnötig." Von ihrer Forderung nach einem Kniefall Höckes sind die Aktivisten laut dpa mittlerweile abgerückt. Zuvor hatte der Thüringer Landtagspräsident Christian Carius ein Ende der Aktion gefordert.

Die Künstler hatten auf Höckes Nachbargrundstück im thüringischen Bornhagen mehrere Betonstelen aufgestellt: eine Kopie des Berliner Holocaust-Mahnmals. Von dem eigens angemieteten Grundstück aus habe man den AfD-Politiker zehn Monate lang beobachtet, teilte das ZPS mit. Dabei seien "mehrere aufschlussreiche Dossiers" entstanden.

Mit der Aktion protestieren die Aktivisten gegen eine Rede Höckes im Januar in Dresden. Höcke hatte das Gedenken an die Ermordung der europäischen Juden durch die Nationalsozialisten kritisiert und eine "erinnerungspolitische Wende um 180 Grad" gefordert. "Wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat", sagte Höcke. Die Aktion des ZPS läuft unter der Schirmherrschaft des Maxim-Gorki-Theaters in Berlin im Rahmen des 3. Berliner Herbstsalons.

Der AfD-Bundesvorstand nannte die ZPS-Aktion "einen Angriff auf die Menschenwürde". Höcke sagte, "wer so etwas tut, ist in meinen Augen ein Terrorist". Höcke warf den Aktivisten vor, seine Frau und Kinder beobachtet zu haben und persönliche Gegenstände im Internet zu versteigern. Der Nachbau des Mahnmals ist mittlerweile für die Öffentlichkeit geschlossen. Nach Angaben der Aktivisten hatte es anonyme Drohungen gegen das ZPS gegeben.

Das Zentrum für Politische Schönheit ist bekannt für provokante Aktionen. 2014 montierten die Aktivisten aus Protest gegen die EU-Flüchtlingspolitik 14 Gedenkkreuze für Maueropfer am Berliner Spreeufer ab, später brachten sie sie wieder zurück. 2016 hielten sie über zwei Wochen vier lebende Tiger in einem großen Käfig vor dem Maxim-Gorki-Theater in Berlin und kündigten mehrfach an, Flüchtlinge würden sich öffentlich "zerfleischen" lassen.