Ein zu Unrecht abgeschobener Afghane darf nach Deutschland zurückkehren. Der 23-Jährige Haschmatullah F. war im Sommer durch einen Verfahrensfehler nach Afghanistan abgeschoben worden. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) hatte seine Abschiebung erlaubt, obwohl am Verwaltungsgericht Sigmaringen ein Eilantrag seines Anwalts gegen seine Abschiebung anhängig war. Solche Anträge gewähren Abschiebeschutz.

Den Fehler haben die Behörden nun rückgängig gemacht und die Rückholung des Mannes angeordnet. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur wird der Mann von Islamabad in Pakistan aus los fliegen und zunächst in Frankfurt landen. Von dort aus werde er nach eigenen Angaben weiter nach Tübingen fahren, wo er am Abend mit seinem Anwalt Markus Niedworok zu einer Pressekonferenz erwartet wird. Danach soll sein Asylverfahren wiederaufgenommen werden.

Eine Sprecherin des Bamf, das für die Organisation der Rückführung zuständig ist, sagte: "Die Rückholung des Asylbewerbers wird in Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt weiter betrieben." Ob es der erste Fall dieser Art ist, konnte sie zunächst nicht bestätigen. 

Abschiebestopp ging zwischen Gericht und BAMF verloren

Der Betroffene selbst äußerte sich glücklich über die Entscheidung. Er "gehe zurück zu einem neuen Leben", sagte er. "Hier in Afghanistan habe ich keinen Platz zum Leben." Er habe sich seit seiner Abschiebung in Kabul versteckt. Sein Bruder habe ihm  geholfen. Er hofft, dass er diesmal in Deutschland bleiben kann. "Diesmal will ich besser Deutsch lernen, Arbeit finden, Steuern zahlen und der deutschen Regierung dienen, die so freundlich zu mir ist."

Laut seinem Anwalt war Haschmatullah F. am 3. Juni in Deutschland angekommen. Am 8. Juni hatte er Asyl beantragt, war mit seinem Antrag jedoch abgelehnt worden mit dem Verweis, dass er über Bulgarien in die EU gekommen sei. Gemäß der sogenannten Dublin-Vorschriften sei Bulgarien für sein Asylverfahren zuständig gewesen. Gegen diese Entscheidung hatte Niedworok am 2. August am Verwaltungsgericht Sigmaringen Einspruch eingelegt.

"Solange so ein Eilantrag in der Welt ist, darf nicht abgeschoben werden", sagte Niedworok – aber die Information über das laufende Verfahren sei zwischen Gericht und dem Bamf wohl verloren gegangen. Das Bamf gab die Abschiebung von F. nach Bulgarien frei. Das Gericht ordnete daraufhin an, dass er zurückgebracht werden müsse, aber da hatten die bulgarischen Behörden ihn schon nach Afghanistan geflogen.