Die wachsende kulturelle Vielfalt scheint das gemeinschaftliche Miteinander in Deutschland nicht zu gefährden. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Studie der Bertelsmann Stiftung. 68 Prozent der Befragten hatten den gesellschaftlichen Zusammenhalt der eigenen Region bei der Befragung als "gut" beurteilt. Nur sieben Prozent empfanden ihn als schlecht. Ein anderes Bild ergibt sich, wenn es nicht um den Zusammenhalt in der eigenen Region geht, sondern in Deutschland insgesamt. Hier glauben drei von vier Befragten, dass der Zusammenhalt im gesamten Land zum Teil gefährdet ist. Jeder vierte Befragte sieht keine Gefährdung.

Deutliche Unterschiede gebe es zwischen Ost und West sowie zwischen strukturschwachen und wohlhabenden Regionen. Laut Studie empfinden Befragte in den ostdeutschen Bundesländern den Zusammenhalt durchgängig als schwächer als Befragte im Westen. Wo der Wohlstand weniger, die Arbeitslosenraten höher und das Armutsrisiko größer ist, bewerteten die Befragten den Zusammenhalt als schwächer. Vor allem eine hohe Jugendarbeitslosigkeit wirkt sich laut der Studie negativ auf das Gemeinschaftsgefühl aus. Ähnlich verhält es sich mit einem hohen Anteil von Schulabgängern ohne Abschluss und einer überalterten Bevölkerung.

Anteil an Migranten spielt keine Rolle

Demgegenüber ist der Zusammenhalt laut der Studie dort höher, wo das durchschnittliche Wohlstandsniveau hoch ist und wo mehr Menschen eine positive Haltung zur Globalisierung haben. Wie viele Ausländer und Migranten in einer Region leben, spiele für den Zusammenhalt keine Rolle. Die höchsten Zusammenhaltswerte weisen das Saarland, Baden-Württemberg und Bayern auf.

"Um den Zusammenhalt zu stärken, kommt es darauf an, soziale Ungleichheit zu verringern und Armut zu verhindern, sowie insbesondere die ökonomische Situation in den neuen Bundesländern weiter zu verbessern", sagt Bertelsmann-Experte Kai Unzicker. Vor allem auf lokaler Ebene sollten zusätzlich Maßnahmen ergriffen werden, sodass alle am gesellschaftlichen Leben teilhaben können und Kontakte zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen entstehen. Die Förderung des Ehrenamts und der Ausbau einer zivilgesellschaftlichen Infrastruktur seien ebenfalls wichtige Bausteine.

Für die Studie befragten Wissenschaftler der Jacobs University Bremen zum Jahresanfang über 5.000 deutschsprachige Menschen ab 16 Jahren.