Zehntausende Kinder und Jugendliche sind in Australien zwischen 1950 und 2010 Opfer von sexuellem Missbrauch in kirchlichen und staatlichen Einrichtungen geworden. Das geht aus dem Abschlussbericht hervor, den die staatliche Missbrauchskommission jetzt vorlegte. Die genaue Zahl der Opfer ist nicht bekannt, es wird aber geschätzt, dass mindestens 60.000 Menschen Anspruch auf Entschädigung geltend machen können.

Die Kommission gibt 189 Handlungsempfehlungen – dazu zählen auch eine Abschaffung des Beichtgeheimnisses und des Pflichtzölibats für katholische Priester. Premierminister Malcolm Turnbull kündigte an, schon im Januar ein Gremium zur Umsetzung der Empfehlungen einsetzen zu wollen.

Eine weitere Empfehlung lautet, die Kirchen sollten künftig Priesteramtskandidaten für die Arbeit mit Kindern prüfen – beispielsweise mit psychologischen Tests oder durch ein psychosexuelles Gutachten von externen Experten. Menschen, gegen die ein begründeter Vorwurf des sexuellen Missbrauchs von Kindern erhoben wurde oder die wegen Missbrauchs verurteilt wurden, sollen nie wieder in der Seelsorge arbeiten dürfen. Außerdem fordert die Kommission, eine staatliche Kinderschutzbehörde und eine Telefon-Hotline zur Meldung von Missbrauch einzuführen. 

Kirche lehnt Lockerung des Beichtgeheimnisses ab

Fünf Jahre lang hatte die Missbrauchskommission an ihrem Bericht gearbeitet und dafür mit mehr als 15.000 Opfern gesprochen. Der nun veröffentlichte Abschlussbericht umfasst 17 Bände mit mehr als 100.000 Seiten. Die 189 neuen Empfehlungen im Abschlussbericht ergänzen die bisher in einer Reihe von Zwischenberichten formulierten 220 Empfehlungen der Kommission.

Australiens katholische Kirche hat sich bei den Opfern von sexuellem Missbrauch durch Geistliche entschuldigt. Der Erzbischof von Melbourne, Denis Hart, versprach, die Schlussfolgerungen einer offiziellen Ermittlungskommission zum Missbrauch von Kindern würden "sehr ernst" genommen.

Die Forderung der Kommission, das Beichtgeheimnis zu lockern, damit Priester Fälle sexuellen Missbrauchs anzeigen können, von denen sie im Beichtstuhl erfahren, lehnte der Erzbischof jedoch ab. Für die katholische Kirche sei das Beichtgeheimnis von großer Bedeutung, sagte Hart. Falls Geistliche dagegen verstießen, drohe ihnen der Ausschluss aus der Kirche.