Saudi-Arabien hat nach 35 Jahren das Kinoverbot im Land aufgehoben. Im März sollen die ersten kommerziellen Kinos öffnen, kündigte das saudische Kultur- und Informationsministerium an. Lizenzen würden ab sofort ausgestellt. "Das markiert einen Wendepunkt in der Entwicklung der Kulturwirtschaft im Königreich", sagte Kulturminister Awad al-Awad. Saudi-Arabien ist auf Modernisierungskurs, als treibende Kraft dahinter gilt der neue Kronprinz Mohammed bin Salman.

Salman hatte schon kurz nach seinem Amtsantritt im Juni die Abkehr seines Landes von ultrakonservativen Religionsprinzipien in Aussicht gestellt. Im Oktober kündigte er an, Frauen in Begleitung ihrer Familien ab dem kommenden Jahr Zugang zu landesweit drei Sportstadien zu ermöglichen. Im September erlaubte er Frauen per Dekret das Autofahren. Menschenrechtsaktivisten hatten mehr als drei Jahrzehnte gegen das Fahrverbot gekämpft. Derzeit kümmert sich ein Komitee um die Umsetzung der Anweisung, ab Juni 2018 sollen Frauen dann ihren Führerschein bekommen können. Auch Konzerte sollen bald wieder erlaubt sein. 

Saudi-Arabien ist vom Wahhabismus geprägt, einer besonders strengen und traditionellen Lesart des Islam. Das Herrscherhaus der Al-Sauds hatte bereits Mitte des 18. Jahrhunderts ein Bündnis mit wahhabitischen Religionsgelehrten geschlossen, das bis heute Bestand hat und den Gelehrten weitreichenden Einfluss auf Religions- und Lebenspraxis in Saudi-Arabien gewährt.

Mit der Modernisierung will Kronprinz Salman die absolutistische Monarchie, in der mehr als die Hälfte der Einwohner jünger als 25 sind, auf die Zeit vorbereiten, in der die Öleinnahmen zurückgehen. Im November ließ seine Regierung im Zuge einer Antikorruptionskampagne elf Prinzen und zahlreiche frühere Regierungsminister festnehmen.