Potsdam - Paketbombe galt DHL Hinter der am Potsdamer Weihnachtsmarkt gefundenen Paketbombe soll eine Erpressung gegen den Paketdienst DHL stehen. Sprengstoffexperten der Bundespolizei hatten am Freitag das Paket unschädlich gemacht. © Foto: Fabrizio Bensch/Reuters

Die mutmaßliche Bombe am Potsdamer Weihnachtsmarkt diente nach Erkenntnissen der Ermittler einer Erpressung des Paketzulieferers DHL. Der oder die Täter werden noch gesucht. Dies sagte Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) bei einer Pressekonferenz am Sonntagnachmittag in Potsdam. Damit sei klar, dass die Bedrohung mit an "Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" nicht dem Weihnachtsmarkt in der Innenstadt der brandenburgischen Landeshauptstadt gegolten habe.

Den Ermittlern zufolge konnte ein Drohschreiben aus dem zerstörten Paket rekonstruiert werden. Daraus gehe eine Erpressungsforderung in Millionenhöhe gegen DHL hervor. Der oder die Täter stammen den Angaben zufolge vermutlich aus dem Raum Berlin/Brandenburg. Ermittelt wird nun wegen versuchter räuberischer Erpressung und Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion.

Die Nachricht lag in Form eines sogenannten QR-Codes vor, konnte aber eindeutig rekonstruiert werden, sagte Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke. Anschrift und Absender auf dem Paket hätten "auffällige Rechtschreibfehler" enthalten. "Weitere solcher Sendungen sind nach jetzigem Ermittlungsstand wahrscheinlich", sagte Mörke. "Die Täter nehmen bewusst die Schädigung von Leben und Gesundheit von Menschen in Kauf."

Schreiben nimmt Bezug auf frühere Paketsendung

Das bei einem Apotheker am Potsdamer Weihnachtsmarkt abgegebene Paket war nach den neuesten Erkenntnissen der Polizei sehr gefährlich. Es hätte bei einer Explosion schwerste Verletzungen zur Folge gehabt, sagte Schröter. Zunächst hatte es von den Behörden geheißen, die Bombe sei lediglich eine Attrappe gewesen, da kein Zünder installiert gewesen sei. Inzwischen sei der Sprengsatz aber noch einmal analysiert worden, so Mörke.

Anfang November sei ein ähnliches Paket an einen Online-Händler in Frankfurt (Oder) gesendet worden, sagte Mörke. Dieses sei beim Öffnen in Brand geraten. Dadurch sei das Erpresserschreiben verbrannt. In der Potsdamer Sendung sei aber auf die erste Tat Bezug genommen worden.

Die Polizei rät zu Vorsicht bei unbekannten Paketen, die vorrangig an kleinere Unternehmen oder auch Privatleute geschickt werden könnten. Hinweise seien zum Beispiel unbekannte Absender, Rechtschreibfehler oder auch aus dem Paket ragende Drähte, erklärte die Polizei am Sonntag in Potsdam. Im Zweifel solle die Polizei informiert werden.

"Sehr gut imitierter Sprengkörper"

Am Freitag war ein verdächtiges Paket bei einem Apotheker abgegeben worden, der direkt am Weihnachtsmarkt sein Geschäft hat. Die Sendung war von einem Postzustelldienst zugestellt worden. Darin befanden sich eine Blechbüchse mit Hunderten Nägeln, Batterien sowie Drähte und ein Feuerwerkskörper, der wegen Sicherheitsmängeln in Deutschland illegal ist. Innenminister Schröter sprach am Freitag zunächst von einem "sehr gut imitierten Sprengkörper". Für die Fahndung setzte die Polizei eine Ermittlungsgruppe ein, in der etwa 25 Kriminalisten arbeiten.

In der Apotheke hatten Mitarbeiter Verdacht geschöpft und die Polizei alarmiert. Diese richtete einen Sperrkreis ein, der auch Teile des Weihnachtsmarktes betraf. Experten der Bundespolizei zerschossen das Paket dann mit einem speziellen Wasserstrahl. Eine Zündvorrichtung wurde im Anschluss nicht gefunden. Demnach hätte es sich nicht um eine funktionsfähige Bombe gehandelt, so die Ermittler.

Die Paketbombe war nach Einschätzung der Ermittler nur zufällig direkt am Weihnachtsmarkt gelandet. Der Täter habe nicht wissen können, ob das Paket direkt in der Apotheke am Weihnachtsmarkt geöffnet wird.

Am Samstag öffnete der Weihnachtsmarkt in Potsdam unter nochmals verschärften Sicherheitsvorkehrungen. Polizei und Stadt schickten zusätzliche Streifen auf den Markt, auch Beamte mit Maschinenpistolen waren im Einsatz.