Bei der größten deutschen Silvesterparty am Brandenburger Tor in Berlin gibt es erstmals einen Rückzugsbereich für Frauen auf der Festmeile – "Women's Safety Area" genannt. Dort stehen krisengeschulte Helfer des Roten Kreuzes bereit, um Frauen zu helfen, die sich belästigt oder unwohl fühlen. "Wir bieten es an, falls jemand den Bedarf haben sollte, sich zu unterhalten", sagte die Sprecherin der Veranstaltung, Anja Marx.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft hält nichts von dieser Sicherheitszone für Frauen. "Damit sagt man, dass es Zonen der Sicherheit und Zonen der Unsicherheit gibt", kritisierte ihr Vorsitzender Rainer Wendt in der Neuen Osnabrücker Zeitung. Das sei eine verheerende Botschaft und das Ende von Gleichberechtigung, Freizügigkeit und Selbstbestimmtheit. "Wer auf so eine Idee kommt, hat die politische Dimension nicht verstanden." Frauen sollten überall sicher sein, forderte Wendt.

Unterstützung für die Einrichtung der "Women's Safety Area" kam hingegen von der Gewerkschaft der Polizei, die darauf hinwies, dass die Polizei Berlin dem Veranstalter eine solche Schutzzone empfohlen habe. "Es ist zu tun, was den Menschen hilft", twitterte die GdP, die zugleich Wendt für seine Äußerung kritisierte: "Sicherheitsmaßnahmen als schlechte Symbolpolitik zu verdammen, hat nichts mit Polizeiarbeit zu tun."

Polizei will Frauen konsequent schützen

Die Belästigung von Frauen aus Menschenmengen heraus ist ein Thema, seit es vor zwei Jahren in Köln am Silvesterabend zu schweren Vorfällen kam. Dort hatten überwiegend aus dem nordafrikanischen Raum stammende Täter am und im Hauptbahnhof sexuelle Übergriffe auf Frauen sowie Diebstahlsdelikte verübt. Die Polizei konnte den Großteil der Taten damals nicht unterbinden und den Opfern nicht helfen.

In Berlin will die Polizei solche Szenen verhindern. "Nein heißt Nein, und wenn der Täter sich dann nicht weghält, schreiten wir ein", sagte ihr Sprecher Thomas Neuendorf. Am vergangenen Silvester habe es in der Hauptstadt 14 Anzeigen wegen sexueller Straftaten gegeben, davon zwei wegen Vergewaltigung beziehungsweise schwerer Nötigung.

Polizisten stehen in zwei mobilen Wachen in Containern auf dem Festgelände bereit. In der Menge werden Beamte in Uniform und Zivil unterwegs sein. Obwohl Raketen und Böller auf der Party strengstens untersagt sind, richtet auch die Feuerwehr zwei mobile Wachen an der Festmeile ein. An Unfallhilfsstellen werden 140 Sanitäter eingesetzt.

Zwischen Brandenburger Tor und der Siegessäule werden Hunderttausende unter dem Motto "Welcome 2018" bei wohl mildem, aber feuchten Wetter das neue Jahr begrüßen. Neben dem Feuerwerk um Mitternacht soll ein Konzert mit der Spider Murphy Gang, Oli P., Micar und Conchita die Partygäste unterhalten.

Für die Sicherheitsvorkehrungen gibt der Veranstalter eine sechsstellige Summe aus, sagte Sprecherin Anja Marx. Neben dem Festgelände wird auch der umliegende Tiergarten mit doppelten Zäunen abgesperrt, rund 500 Ordner werden im Einsatz sein. Betonpoller sichern die Zufahrten, Koffer und Rucksäcke müssen draußen bleiben, Taschen werden durchsucht.