Die Reportage "Stadt, Land, Vorurteil" von ZEIT ONLINE hat den Deutschen Reporterpreis 2017 in der Kategorie "Datenjournalismus" gewonnen. In der Rubrik "Interview" wurde zudem ZEIT-ONLINE-Redakteur Steffen Dobbert für sein Gespräch "Sie werden mich für immer hassen" mit dem britischen Rechtspopulisten Nigel Farage ausgezeichnet. Die Preise wurden am Montagabend in Berlin verliehen, insgesamt waren für die Auszeichnung mehr als 1.600 Arbeiten eingereicht worden. Auch drei Texte der ZEIT konnten den Preis gewinnen.

Das Stück "Stadt, Land, Vorurteil" untersucht mögliche Unterschiede in Deutschland zwischen der Bevölkerung in der Stadt und auf dem Land. Dafür wertete ein Team aus acht Journalisten die Daten der größten Bevölkerungsumfragen aus und visualisierte die Ergebnisse.

In mehreren Grafiken gehen die Autoren Sascha Venohr, Christian Bangel, Philip Faigle, Flavio Gortana, Andreas Loos, Fabian Mohr, Julia Speckmeier und Julian Stahnke der Frage nach, inwiefern Vorurteile gegenüber Stadt und Land tatsächlich begründet sind. Untersucht werden dabei Thesen wie "Je größer die Stadt, desto seltener der Kirchgang" oder "Menschen auf dem Dorf treffen sich öfter mit Freunden". 

Im Interview "Sie werden mich für immer hassen" sprach Redakteur Steffen Dobbert mit dem Ex-Chef der britischen Ukip-Partei, Nigel Farage, über dessen Verbindungen nach Russland. Farage war einer der führenden Politiker, die sich im Vorfeld des Referendums in Großbritannien für einen EU-Austritt des Landes aussprachen.

Investigative Recherche über Anis Amri ausgezeichnet

Thematisiert werden in dem Gespräch unter anderem mögliche finanzielle Wahlkampfhilfen aus Russland. Dazu sagte Farage: "Es gab kein russisches Geld, das ist lächerlich. Sie reden über eine Verschwörungstheorie. Ich hätte keinen Penny aus Russland angenommen, selbst wenn es mir angeboten worden wäre. In dieser Kampagne ging es nicht um Geld. Es ging um Botschaften, um gute, klare Botschaften."

Den Reporterpreis in der Kategorie "Kulturkritik" gewann zudem Hanno Rauterberg, stellvertretender Kultur-Ressortleiter bei der ZEIT, mit seinem Artikel "Tanz der Tugendwächter". Darin setzt er sich kritisch mit politisch korrekter Kunst auseinander.

In der Kategorie "Investigativ" wurde ein fünfköpfiges Team der ZEIT für ihren Text "Ein Anschlag ist zu erwarten" prämiert. Darin rekonstruieren Mohamed Amjahid, Daniel Müller, Yassin Musharbash, Holger Stark und Fritz Zimmermann das Versagen der Behörden im Fall von Anis Amri, der im Dezember 2016 zwölf Menschen mit einem Lkw auf einem Berliner Weihnachtsmarkt tötete.

ZEIT-Redakteur Björn Stephan gewann ebenfalls einen Reporterpreis. Sein Text "Armer Hund!" konnte sich in der Kategorie "Wissenschaftsreportage" durchsetzen. In dem Artikel geht es um die Folgen der starken Überzüchtung durch den Menschen für viele Hunderassen.

Der Deutsche Reporterpreis wird von einem Netzwerk deutscher Journalisten – dem Reporter-Forum e.V. – vergeben. Er würdigt herausragende Texte in unterschiedlichen Medien und insgesamt zwölf Kategorien. Er gilt als einer der renommiertesten Preise für Journalisten in Deutschland.

Beste Reportage über Wahlkampf von Martin Schulz

Den Preis für die beste Reportage gewann der Spiegel-Redakteur Markus Feldenkirchen für seine monatelange Begleitung des SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz. Den zum ersten Mal ausgeschriebenen Hauptstadt-Preis gewannen ebenfalls Spiegel-Redakteure: Ullrich Fichtner, André Geicke, Matthias Geyer und Andreas Wassermann wurden für Ihren Artikel über den Berliner Flughafen BER ausgezeichnet, Britta Stuff  für einen Text über den verstorbenen CDU-Generalsekretär Peter Hintze. In der Kategorie "Essay" gewann der New Yorker Spiegel-Korrespondent Philipp Oehmke für seinen Text über Political Correctness in den USA.

Den Preis für die beste Lokalreportage erhielt Peter Schwarz, Reporter beim Zeitungsverlag Waiblingen, für einen Text über den Überlebenden eines 20 Jahre alten Verbrechens (PDF) aus der Region. In der Kategorie "Freier Reporter" gewann Emilia Smechowski, Autorin beim Magazin der Süddeutschen Zeitung, mit einem Text über Paul Ziemiak, den Chef der Jungen Union.

Den Preis für den besten Multimedia-Beitrag gewannen Dominik Osswald, Kaspar Manz, Marc Brupbacher, Olivier Christe, Christian Mülhauser und Urs Wyss vom Schweizer Tages-Anzeiger für ihr Projekt über Gletscher-Expeditionen. In der Kategorie "Web-Video" gewannen Michael Ginsburg, Martin Heller und Christiane Wittenbecher von der Agentur IntoVR mit einem Virtual-Reality-Projekt über Gefangene des Stasigefängnis Berlin-Hohenschönhausen.

Keinen Preis, aber eine lobende Erwähnung erhielten die Berliner Reporterin Lena Niethammer, die mit insgesamt vier Texten nominiert war, und die Recherche über gepanschte Krebsmedikamente des Rechercheverbunds Correctiv. Einen Ehrenpreis für investigative Recherche bekam die in Malta ermordete Journalistin Daphne Galizia, ihre Söhne nahmen ihn entgegen.

Hinweis: Die Preisträger anderer Medien haben wir zu einem späteren Zeitpunkt ergänzt.