In Deutschland werden derzeit etwa 720 Personen als sogenannte islamistische Gefährder geführt. Bei etwa der Hälfte liegt aber womöglich kein besonderes terroristisches Risiko vor. Das berichten die Süddeutsche Zeitung sowie der NDR und WDRunter Berufung auf eine Untersuchung durch die Polizeibehörden der Länder und das Bundeskriminalamt. Demnach gilt allerdings auch eine fast gleich große Gruppe als hochgefährlich.

Bei der Untersuchung wandten die Behörden ein neues Analysesystem, das sogenannte Radar-ITE, an. Dabei werden die Gefährder anhand von Informationen zum Verhalten und Lebensverlauf mittels einer dreistufigen Risikoskala eingeordnet, die zwischen einem moderaten, auffälligen und hohen terroristischen Risiko unterscheidet. Laut dem Bericht ist bei der Bewertung von 205 Islamisten bei 82 ein "hohes Risiko" ausgemacht worden. Bei 96 Islamisten sei von einem "moderaten Risiko" auszugehen, bei 27 von einem "auffälligen Risiko".  

Das Verfahren basiert auf einem Katalog von 73 Merkmalen, beispielsweise zur Sozialisation oder Einstellung zu Gewalt. Es soll der Polizei helfen, die Überwachungsmaßnahmen besser konzentrieren zu können. Eine lückenlose Überwachung aller Gefährder gilt als praktisch unmöglich und rechtlich schwierig.

Gefährder sind Personen, denen die Sicherheitsbehörden grundsätzlich zutrauen, dass sie schwerste Straftaten wie einen Terroranschlag begehen könnten. In Deutschland legen jeweils die Polizeibehörden der Länder in Zusammenarbeit mit den Landesämtern für Verfassungsschutz fest, wen sie als Gefährder einstufen. Eine eindeutige Definition für die Einstufung als Gefährder gibt es bislang aber nicht. "Ein Gefährder ist eine Person, bei der bestimmte Tatsachen die Annahme rechtfertigen, dass sie politisch motivierte Straftaten von erheblicher Bedeutung, insbesondere solche im Sinne des § 100a der Strafprozessordnung (StPO), begehen wird", hieß es im vergangenen Jahr in einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage. In dem Paragrafen wird in einer langen Liste festgelegt, was als schwere Straftat zu verstehen ist und wann Telefonüberwachung erlaubt ist.