Unter den Menschen in Deutschland, denen die Sicherheitsbehörden einen Terrorakt potenziell zutrauen, sind nicht nur Männer. Die deutschen Behörden haben auch mehrere Dutzend Frauen und Jugendliche als islamistische Gefährder eingestuft. Insgesamt gibt es derzeit 720 islamistische Gefährder in Deutschland. Unter ihnen gebe es einen niedrigen einstelligen Prozentanteil an Frauen und Minderjährigen, berichtet die die Deutsche Presse-Agentur unter Berufung auf Sicherheitskreise. Damit dürfte vermutlich von einer Gesamtanzahl unter 30 weiblichen und minderjährigen Gefährdern die Rede sein.

Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen hatte zuletzt vor einer Gefahr durch islamistische Frauen und Kinder gewarnt – insbesondere vor jenen, die aus früheren Kampfgebieten der Terrormiliz "Islamischer Staat" zurückkehren. Er hatte damals gesagt, dass unter den Gefährdern in Deutschland auch Frauen seien – ohne eine Zahl zu nennen.

Laut Maaßen gebe es Kinder und Jugendliche, die in sogenannten Schulen im IS-Gebiet eine Gehirnwäsche durchlaufen hätten und in starkem Maße radikalisiert seien. Bei ihrer Rückkehr seien sie mitunter gefährlich. Frauen, die in den vergangenen Jahren in IS-Gebieten gelebt haben, seien oftmals derart radikalisiert und identifizierten sich so mit der IS-Ideologie, dass man sie mit Recht auch als Dschihadistinnen bezeichnen könne, sagte er. Einer der aktuell bekanntesten Fälle ist der der 16-jährigen Linda W. aus Sachsen, die im Sommer im Irak festgenommen wurde.

Eine eindeutige Definition für die Einstufung als Gefährder gibt es in Deutschland nicht. "Ein Gefährder ist eine Person, bei der bestimmte Tatsachen die Annahme rechtfertigen, dass sie politisch motivierte Straftaten von erheblicher Bedeutung, insbesondere solche im Sinne des § 100a der Strafprozessordnung (StPO), begehen wird", hieß es im vergangenen Jahr in einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage. In dem Paragrafen wird in einer langen Liste festgelegt, was alles als schwere Straftat zu verstehen ist und wann Telefonüberwachung erlaubt ist.

In Deutschland legen jeweils die Polizeibehörden der Länder in Zusammenarbeit mit den Landesämtern für Verfassungsschutz fest, wen sie als Gefährder einstufen. Relativ viele von ihnen leben in den Stadtstaaten, aber auch Nordrhein-Westfalen und Hessen gelten als Schwerpunkte – was aber auch an den unterschiedlichen Kriterien für die Einstufung liegen kann.