Der seit mehr als neun Monaten in der Türkei inhaftierte deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel befindet nicht mehr in Einzelhaft. Er sei in eine Zelle verlegt worden, die Zugang zu einem Innenhof habe, den er sich mit einem weiteren Gefängnisinsassen teile, sagte Yücels Anwalt Veysel Ok der Nachrichtenagentur dpa und der Welt. Yücel ist Korrespondent der Tageszeitung.

Nach Angaben der Welt grenzen neben Yücels Zelle noch zwei weitere an den Innenhof. In einer der beiden sitzt demnach Oğuz Usluer, Journalist der türkischen Tageszeitung Habertürk. Der Zugang beider Zellen zum Innenhof sei während des Tages geöffnet. Die beiden Journalisten können also miteinander in Kontakt treten. Yücels neue Zelle entspreche der Größe und Ausstattung seiner ehemaligen, schreibt die Welt weiter. Jene war etwa vier mal drei Meter groß. 

Der Journalist ist seit dem 27. Februar in der Haftanstalt Silivri westlich von Istanbul in Einzelhaft. Kontakt zu Mitgefangenen war ihm bislang verwehrt. Allerdings werde Yücel außer Usluer weiterhin offenbar keinen anderen Gefängnisinsassen treffen können, heißt es von der Welt.

Offiziell befindet sich Yücel noch in Untersuchungshaft. Eine Anklage gegen ihn liegt noch nicht vor. Zuletzt begründete die türkische Regierung seine Inhaftierung in einer Stellungnahme vor dem EU-Menschenrechtshof. Die Maßnahmen gegen Yücel seien "notwendig und angemessen", heißt es darin. Die Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdoğan wirft dem Welt-Korrespondenten Terrorpropaganda und Volksverhetzung vor.

Yücel ist nur einer von mindestens 152 Journalisten, die derzeit in der Türkei im Gefängnis sitzen. Viele sitzen seit Langem ohne Anklage in Untersuchungshaft. Das ist möglich, weil die türkische Regierung seit dem Putschversuch im Juli 2016 den Ausnahmezustand verhängt hat.