Noah Becker hat den AfD-Bundestagsabgeordneten Jens Maier angezeigt. Von dessen Account war der Sohn des ehemaligen Tennisspielers Boris Becker in einem bereits gelöschten Tweet als "Halbneger" bezeichnet worden. Der Tweet bezog sich auf ein Interview Beckers, in dem dieser Berlin als "weiße Stadt" bezeichnete, in der er wegen seiner Hautfarbe rassistisch attackiert wird.

Als Reaktion auf den Tweet gab es in der AfD Rücktrittsforderungen an Maier, der als Vertreter des rechtsnationalen Parteiflügels um den Thüringer AfD-Landeschef Björn Höcke gilt. "Wenn wir das tolerieren, geht es zu weit", sagte Parteichef Jörg Meuthen. Der Parteivorstand werde über "weitreichende" Ordnungsmaßnahmen beraten.

In einem Gastartikel in der Welt am Sonntag zweifelte Boris Becker Maiers Ausführungen an, wonach ein Mitarbeiter des Abgeordneten für den rassistischen Tweet verantwortlich sei. "Das tun sie bei der AfD doch immer, das ist ihre Masche. Irgendetwas in die Welt setzen und sich dann davon distanzieren", schrieb Becker. Rassismus dürfe nicht länger hingenommen werden: "Damit muss endlich Schluss sein! Bei diesem Thema gibt es keine Grauzone."

Noah Becker: "Ich bin nicht wütend auf Jens Maier"

Beckers Anwalt Christian-Oliver Moser forderte Maier zur Abgabe einer Unterlassungserklärung auf, "um eine derartige rassistische Beleidigung in Zukunft auszuschließen". Die dafür gesetzte Frist habe dieser jedoch "ohne jede Reaktion" verstreichen lassen, weshalb Moser zeitnah die Zivilgerichte bemühen will.

Noah Becker, der in Berlin als Künstler und DJ arbeitet und in einer Band spielt, reagierte in einem Interview gelassen auf den Vorfall. "Ich bin nicht wütend auf Jens Maier, weiß nicht einmal, wie er aussieht", sagte er dem Vice-Magazin. Trotzdem finde er es frustrierend, dass Menschen in Machtpositionen heute immer noch andere so beleidigen könnten. Becker sagte, dass er häufig rassistisch beleidigt werde und ein derartiges Verhalten ignorant findet: "Wenn man aufwächst, wo nur Weiße sind, wenn man nur eine bestimmte Hautfarbe sieht, dann kennt man nichts anderes. Und hat Angst vor Fremden."